99 Sängerinnen …

… oder warum Sprache wichtig ist.

Kleine Hommage an Luise F. Pusch
Mitbegründerin der feministischen Linguistik.

\”Männer werden immer richtig eingeordnet, Frauen fast nie, denn in unserer Sprache gilt 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind zusammen 1oo Sänger. Futsch sind die 99 Frauen, nicht mehr auffindbar, verschwunden in der Männerschublade. Die Metapher bewirkt, dass in unseren Köpfen nur Mannsbilder auftauchen, wenn von Arbeitern , Dichtern, Studenten, Rentnern oder Ärzten die Rede ist, auch wenn jene Rentner oder Ärzte überwiegend Ärztinnen oder Rentnerinnen sind\” (Luise F. Pusch, Feministische Sprachwissenschaftlerin aus \”Alle Menschen werden Schwestern\”.)

Hübsch formuliert auch hier: nach einem Referat von Luise Pusch:
Der Arzt ist schwanger. Ungleichheit in der Sprache.

Die taz berichtete vor einiger Zeit über Leben und Werk von Luise Pusch:
Worte sind die Sache selber
.
Aus diesem Artikel:

PROF. DR. LUISE F. PUSCH, 65, hatte die Substantivierung von Verben im Englischen und Deutschen und das italienische Gerundiv erforscht, bevor sie anfing, Absurditäten und Wertungen der Bezeichnungen für Männer und Frauen systemlinguistisch nachzuweisen. Während ihre Aufsatz- Vortrags- und Glossensammlungen \”Das Deutsch als Männersprache\”, \”Alle Menschen werden Schwestern\” und \”Die Frau ist nicht der Rede wert\” bei Suhrkamp zu wissenschaftlichen Bestsellern wurden, wurde sie wegen ihrer Forderung nach einer \”bequemen und gerechten Sprache\” von der deutschen Uni-Linguistik geächtet. Als freie Autorin untersucht sie von ihrem Wohnort Hannover aus am virtuellen Institut für feministische Biografieforschung (www.fembio.org) weibliche Lebenswege: Zu den Früchten dieser Arbeit gehören die Porträt-Anthologien \”Wahnsinns-Frauen\” und \”Berühmte Frauen\” sowie der \”Frauen-Kalender\”. In Glossen beschreibt sie die Geschlechter-Paradoxien der Alltags- und Mediensprache – zuletzt \”Die Eier des Staatsoberhaupts\” (2008) und \”Der Kaiser sagt Ja\” (2009).

Durch die Bücher von Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz bin ich vor vielen Jahren auf die Ungleichheit in der Sprache gestoßen. Die Theorie der ungleichen sprachlichen Behandlung von Frauen und Männern ist ja inzwischen nahezu unbestritten. Jedoch haben sich noch nicht wirklich geschlechtergerechte Sprachänderungen durchgesetzt. Gegen das Binnen-I (Beispiel StudentIn) besteht teils extrem großer Widerstand, was bis zu Browser-Addons geht, die das Binnen-I automatisch aus Texten entfernen. Eine andere Variante, Frauen sichtbar zu machen, ist das Unterstrich-in, also z.B. Student_in, ich wiederum bevorzuge Student/in. Es ist richtig, dass manchmal der Lese- oder Redefluss bei Verwendung von geschlechtergerechter Sprache nicht ganz so leicht von den Lippen geht, aber das Ziel ist derart kleine Schwierigkeiten durchaus wert. Wie sagt Luise so schön im taz-Interview:

Natürlich ist es ein Streit um Worte. Wir leben aber doch im Zeitalter der Information. Und Sprache ist das Mittel der Information. Wie wollen Sie denn zwischen Worten und Information unterscheiden? Die Worte sind die Sache selber. Gleiche Erwähnung ist genauso wichtig wie gleiche Bezahlung.

Wir leben in der Informationsgesellschaft, Informationen aber werden durch Sprache vermittelt, ganz zu schweigen von den untergründigen Konnotationen, die ebenfalls durch sprachliche Kommunikation übermittelt werden.

Gerade unsere deutsche Sprache wird zwar oft als überarbeitungsbedürftig gesehen, und diese Änderungen werden dann sogar hoheitlich mit Gewalt durchgestetzt – siehe neue deutsche Rechtschreibung – aber eine sprachliche Sichtbarmachung von Frauen als politisch wichtiges Ziel festzuschreiben, das ist den Meinungsmachern noch nicht eingefallen. Dafür müssen wir noch ganz schön kämpfen …

Manche sagen: \”ist doch egal, ob man Arzt oder Ärztin sagt\”. Aber es ist eben nicht egal, nicht gleichgültig (die Wortbedeutung von egal). Wie bereits oben erwähnt: 100 Sänger können 99 Sängerinnen und ein Mann sein. Traurig, aber wahr.

Danke, Luise, dass du immer noch kein bisschen leiser geworden bist.

25 Comments

  1. Bruno 31. Januar 2010 11:23 Antworten

    Gegen das Binnen-I (Beispiel StudentIn) besteht teils extrem großer Widerstand,

    Wieder einmal ein guter Beleg für die feministisch einseitige Betrachtung und verkürzte Sichtweise. Dabei sind gerade Frauen (und Männer) die, angeblich, den Gleichstellungsgedanken hegen, selbst die übelsten Schmierfinken in diesem Bereich: Die o.g. TAZ z.B., die das Binnen-I verwendet, um Frauen nicht zu benachteiligen, benutzt stets dann das Binnen-I NICHT , wenn es um Personenkreise geht, die in der Redaktion als typisch männlich gelten. So ist z.B. nie von “MörderInnen” die Rede, sondern immer nur von “Mördern”. Nie von “TäterInnen”, sondern immer nur von “Tätern”. Warum? Konsequenterweise müßte es bei Verwendung des Binnen-I´s dann auch “KindesmißhandlerInnen”, “BankräuberInnen” und “SchlägerInnen” heißen. Und wer unbedingt auf der Bezeichnung “NobelpreisträgerInnen” besteht, muß eben auch die Bezeichnung “VergewaltigerInnen” in Kauf nehmen.

    Nachfolgend noch ein Beispiel wie ausschließlich Männer als Täter genannt werden, und weibliche Täterschaft unterdrückt wird:

    http://www.ms.niedersachsen.de/master/C747530_N746063_I674_L20_D0.html

  2. Piratenweib 31. Januar 2010 15:21 Antworten

    Liebe Männer, auf der einen Seite macht ihr einen Heidenbohei um das Binnen-I, welches angeblich die ach so geschätzte deutsche Sprache verschandelt, besteht darauf, dass das generische Maskulinum die neutrale Wortform ist und auf der andren Seite wollt ihr dann, dass es Täterinnen und Schlägerinnen gibt?? Wo doch mit Täter und Schläger die Frauen immer mitgemeint sind? Ja, was denn nun?
    Heute habe ich mir mal die taz (aktuelle Ausgabe vom 31.01.2010) angesehen. Allein schon in diesem Artikel kann ich weit und breit nichts von Binnen-I finden http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&dig=2010%2F01%2F30%2Fa0166&cHash=3b975fec68, die einzige weibliche Erwähnung ist die “Moderatorin”.
    Oder hier (auch von heute):http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2010%2F01%2F30%2Fa0029&cHash=4c3fcec61c Keine Spur von Binnen-I oder sonstigen Sprachformen zur gleichberechtigten Erwähnung von Frauen. Hier gibt es nur Vertreter, Friedensaktivisten, Kriegsgegner und Verteidigungspolitiker und Militärstrategen sowie natürlich Demonstranten. Es werden keine Vertreterinnnen, Friedensaktivistinnen, Kriegsgegnerinnen, Verteidigungspolitikerinnen, Militärstrateginnen oder Demonstrantinnen erwähnt. Auch nicht mit Binnen-I. In der aktuellen Ausgabe findest sich – keine einziges Binnen-I. Komisch oder? Wo doch die Friedensaktivistinnen und Kriegsgegnerinnen so typisch weiblich sind – die sanften Frauen ….

  3. Sebastian 1. Februar 2010 16:06 Antworten

    Komisch….von TerroristInnen, VergewaltigerInnen, KriegsverbrecherInnen usw. liest man selten…nur von ÄrztInnen, PolizistInnen oder SchülerInnen….

    Könnte das vielleicht mit dem Feminismus zusammenhängen ;) ?

    Ne im Ernst, Deutsch ist eine wundervolle Sprache, und das sollte sie auch bitteschön bleiben. Sicher verändert sich eine Sprache mit dem Laufe der Zeit, man sollte aber Zwänge vermeiden, dass erinnert an Orwells Neusprech

    • Piratenweib 2. Februar 2010 10:55 Antworten

      @ Sebastian:

      Sicher verändert sich eine Sprache mit dem Laufe der Zeit, man sollte aber Zwänge vermeiden,

      Ja, genau! Weg mit der Rechtschreibung und Grammatik! Alles überflüssige Zwänge!
      Hier sind die Schritte zur regelfreien Deutschschreibung:

      Erster Schritt: Wegfall der Großschreibung
      einer sofortigen einführung steht nicht mehr im weg, zumal schon viele grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen sind.

      zweiter schritt: wegfall der dehnungen und schärfungen
      diese masname eliminirt schon di gröste felerursache in der grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdopelung hat onehin nimand kapirt.

      driter schrit: v und ph ersetzt durch f, z ersetzt durch s, sch verkürzt auf s
      das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, sreibmasine und setsmasinenen fereinfachn sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden.

      firter srit: g, c und ch ersetst durch k, j und y ersetst durch i
      ietst sind son seks bukstaben auskesaltet, di sulseit kann sofort fon neun auf swei iare ferkürtst werden, anstat aktsik prosent rektsreibunterikt könen nütslikere fäker wi fisik, kemi oder auk reknen mer kepflekt werden.

      fünfter srit: wekfal fon ä, ö, ü-seiken
      ales uberflusike ist ietst auskemertst, di ortokrafi wider slikt und einfak. Naturlik benotikt es einike seit, bis diese fereinfakung uberal riktik ferdaut ist, fileikt ein bis swei iare. Anslisend durfte als nekstes sil di fereinfakung der nok swirikeren und unsinikeren kramatik anfisirt werden.

      Ps: mein ansats fur den 6. srit: wekfal der lerseiken dadurkspartmanfilplats

      Quelle: Neue Rechtschreibung

  4. Bruno 1. Februar 2010 20:38 Antworten

    Ja, stimmt.
    Sogar die TAZ hat eingesehen, dass das Binnen-I Mist ist:
    http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Binnen-I.html

  5. Sebastian 5. Februar 2010 14:22 Antworten

    @ Piratenweib

    Sag mal bist du ein bisschen dumm oder so…du weisst genau wie ich dsas gemeint habe…ich rede davon das eine Sprache sind mit der Zeit entwickelt…udn zwar ganz von alleine , ohne das irgendwelche Femifaschistinnen hier rumzuwerkeln haben..war das deutlicher???

    • Piratenweib 5. Februar 2010 16:57 Antworten

      Quelle: mstreet-berlin.de
      Hey, wenn du dich nicht klar ausdrücken kannst und/oder einfach Unrecht hast, dann versuche nicht, andere für deine Dummheit verantwortlich zu machen.
      Was stört´s dich, wenn irgendwer an der Sprache “rumwerkelt”?
      Ist doch nicht deine Sprache! Sprache gehört niemandem und allen.
      Na? Jetzt kapiert?

      Quelle: dingeundsachen

      • Hedwig 18. März 2010 20:23 Antworten

        Piratenweib:
        Dahingestellt, wer hier dumm ist – was dumm ist, ist auf jeden Fall das “Argument”: “Ist doch nicht deine Sprache! Sprache gehört niemandem und allen.”
        Nach dessen Logik (ich mag den Begriff darauf eigentlich gar nicht anwenden) wäre jeder zum Schweigen verurteilt, der sich gegen das Zerdeppern von Straßenlaternen, das Hinterlassen von Exkrementen menschlicher oder tierischer Herkunft auf Gehwegen, Stränden und Liegewiesen, das Verseuchen von Seen, Flüssen und Meeren und das Verpesten der Luft wendet. Falls immer noch nicht verstanden, gebe ich gerne noch weitere Beispiele, die vielleicht dafür sorgen, daß der Groschen doch noch fällt und begriffen wird, wie dämlich das “Argument” ist.
        Es erinnert mich spontan an Kinderzeiten; ich hatte dank einer nicht strengen, aber auf die Vermittlung ethischer Grundsätze achtenden Erziehung schon früh eine Abneigung gegen Zerstörungslust oder -wut, die sich ja oft bei Kindern und Jugendlichen zeigt. Wenn ich es dann nicht in Ordnung fand, daß irgend jemandem der Tretroller verschandelt wurde, kam gerne die Antwort: “Was geht das Dich an! Ist doch nicht Deiner!” Nun gut, Kinderniveau – aber möchte Piratenweib für ein Kind gehalten werden?
        Seltsam auch die Fetischisierung des Eigentums: Wem etwas gehört, soll dem “Argument” nach alleiniges Entscheidungskriterium dafür sein, wer was mit einer “Sache” macht. Sebastian macht sich offenbar Sorgen über Tendenzen zur Sprachlenkung, die lassen ihn an Orwell denken. (Falls Piratenfrau doch ein Kind ist, hier die Erläuterung: George Orwell hat mit “1984″ ein Buch geschrieben, in dem die Regierung den üblichen Wortgebrauch verändert, um das Denken der Menschen entsprechend zu verändern. Der Sinn bestimmter Wörter wird geradezu ins Gegenteil verkehrt.) Ein nachdenklicher Mensch kann solche Gedanken nicht einfach so vom Tisch wischen. Das geht offenbar nur mit abgrundtief niveaulosen Hinweis auf die für die Sprache geltenden Eigentumsverhältnisse.
        Nun ja – wer auf diesem Niveau “denkt” und “argumentiert”, kann kaum etwas Sinnvolles zur sicher durchaus diskussionswürdigen Genusproblematik beitragen.

        • Piratenweib 18. März 2010 20:44 Antworten

          Dahingestellt, wer hier dumm ist – was dumm ist,

          Ich stimme dir in diesem Teil deines Kommentars zu. Ansonsten – hanebüchen … ist Hedwig vielleicht doch ein Herwig?

  6. korbinian 18. März 2010 21:00 Antworten

    ich sehe genau wie du das problem, dass die deutsche sprache diskriminiert. ich weiß nur nicht wie man das problem beheben soll. sprachliche neukonstruktionen wie die von dir genannten machen einen geschlechterdualismus auf, der meiner meinung nach so nicht existiert. es gibt nicht nur frauen und männer sondern eine breites spektrum dazwischen. wenns um weibliche piraten geht hab ich überhaupt nichts dagegen dafür das wort piratin zu benutzen. aber das löst leider überhaupt nicht das problem wie man menschen bezeichnet die sich nicht einkategorisieren lassen wollen. am konsequentesten fände ich da noch zufällig weibliche oder männliche formen zu verwenden. aber irgendwie wär das schon absurd. welche sprachliche konstruktionen benutzt du denn?

    http://www.twitter.com/korbinian

    • Piratenweib 18. März 2010 21:18 Antworten

      Du hast natürlich Recht damit, dass es sehr schwierig ist, stets gerecht gegenüber allen Menschen zu formulieren. Es gibt in der Tat nicht nur Frauen und Männer, sondern auch solche, die aus verschiedensten Gründen nicht einzuordnen sind. Allerdings darf man hierbei auch nicht vergessen, dass Frauen und Männer die beiden großen Mehrheiten der Menschen stellen, Queeraten etc. sind definitiv eine Minderheit. Wie sie sich selbst bezeichnen möchten, das sollten wir diese Gruppe einfach mal fragen. Vielleicht lässt sich auch ein ganz neuer Begriff finden. Ansonsten denke ich: die beiden großen Gruppen Frauen und Männer sollten in der Sprache sichtbar sein.
      Ich verwende unterschiedliche Konstruktionen, und bin sicher auch nicht immer stringent dabei. Aber ich bin auch mit einem ganz durchschnittlichen Deutschunterricht aufgewachsen. Allerdings habe ich mir bewusst eine möglichst gerechte Sprachverwendung angeeignet. Das ist manchmal mühsam und in jedem Fall gewöhnungsbedürftig. Ich möchte auch niemandem meine Art der Sprache “aufzwingen”. Aber sichtbar sein, dass möchte ich schon. Deshalb sollte “Piratin” doch das Minimum sein, um Frauen in der Piratenpartei sichtbar zu machen – und das eben nicht nur in ihren diversen Ämtern, sondern ganz selbstverständlich an allen Positionen.
      Die Idee mit der zufälligen Verwendung von männlich/weiblich finde ich sehr reizvoll :-) Nur die Umsetzung kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen. Any ideas?

      • korbinian 18. März 2010 21:26 Antworten

        leute die sich nicht in dieses mann/frau schema einordnen wollen sind nicht nur transsexuelle oder hermaphroditen. ich bin ein heterosexueller mann, mich nervt es aber trotzdem in dieser kategorie zu sein. genauso gibts wohl viele frauen die sich nicht in die kategorie frau einordnen wollen. ich will einfach als mensch wahrgenommen werden, hätte ja auch keinen bock wenn man auf andere äußerliche merkmale rücksicht nimmt. deswegen finde ich es am besten möglichst neutrale und umfassende begriffe zu verwenden. neue ausdifferenzierungen finde ich persönlich da eher kontraproduktiv. aber ich akzeptiere natürlich dass z.b. viele frauen wollen dass sie auch explizit genannt werden. dieses problem lässt sich vermutlich nicht sprachlich lösen, ausser man führt neue neutrale wörter ein. aber ich habe große zweifel dass die dann angenommen werden würden.

        http://www.twitter.com/korbinian

        • Piratenweib 19. März 2010 14:47 Antworten

          Wenn es wirklich einen neutralen Begriff gibt, so würde ich dem jederzeit den Vorzug geben. Gibt es den aber nicht (und das genMask ist für mich nicht neutral, weil vorbelastet), so sollten mindestens die beiden großen Hauptgruppen der Menschheit, nämlich Frauen und Männer genannt und benannt werden. Aber neutral wäre eindeutig besser. Also? Neue Worte erfinden? Warum nicht? Das passiert ständig, denk nur mal an die jährlich gewählten “Unworte” und “Worte” eines Jahres. Das sind in aller Regel Wortneuschöpfungen, die auch gerne mal in den Duden Eingang finden.

  7. Conchobhar83 18. März 2010 20:02 Antworten

    @Piratenweib Also ändern wir die Zeile der Europahymne in “alle Menschen werden Schwestern”?

  8. korbinian 18. März 2010 21:06 Antworten

    also was ich sagen will: egal wie man etwas sagt irgendwen diskriminiert man damit immer

    http://www.twitter.com/korbinian

    • Piratenweib 18. März 2010 21:19 Antworten

      Stimmt. Ein Grund mehr, Sprache ernst zu nehmen, insbesondere in ihrer Wirkung auf Bewusstsein und Gesellschaft.

      • korbinian 18. März 2010 21:32 Antworten

        wenn man sprache nicht so ernst nehmen würde sondern als das akzeptiert was es ist, nämlich eine historisch gewachsene form der kommunikation, könnte man z.b. mal damit anfangen die semantik umzudefinieren und nicht nur die syntax. syntaktisch wird sich vermutlich nie ein diskriminierungsfreies deutsch realisieren lassen.

        http://www.twitter.com/korbinian

  9. Conchobhar83 18. März 2010 20:07 Antworten

    @Piratenweib Und nicht zu vergessen unsere Hymne: “Schwesterlich mit Herz und Hand!”

  10. Mazza 11. August 2010 21:20 Antworten

    prima hinweise zur fem. sprachkritik – als weiblicher mensch möchte ich auch in der männersprache deutsch sichtbar gemacht werden. fragen sie ihren arzt oder apotheker – diesen satz zelebriert uns täglich die werbung im fernsehen. von ärztinnen, apothekerinnen bzw. weiblichen menschen keine spur. 99 sängerinnen und 1 sänger sind für viele auch heute noch 1oo sänger. aufgetan hat sich die männerschublade, verschwunden sind die 99 sängerinnen. seitdem ich mich mit feministischer sprachkritik beschäftige, sind mir die augen geöffnet worden, wie sich das maskulinum auch in der sprache mit dominanz breit gemacht hat. das geschrei einer gruppe ist immer dann am grössten, wenn ihr die macht schwindet. und das maskulinum wird mit vehemenz verteidigt. die feministische sprachkritik von denen mit häme überschüttet.
    österr. politikerinnen bemühen sich um eine kleine texänderung für die bundeshymne “heimat bist du großer söhne” – hinzugefügt werden sollten auch die töchter” – ein enormer aufschrei ging durch die – zumeist – männerkehlen. hässliche kommentare wurden gepostet. das schlimme ist, dass die eigenen österreicher ihre vielen bedeutenden töchter gar nicht kennen? sie gehen nur von bedeutenden männern aus. kein interesse! frau musste sie erstmal aufklären, was die vielen (bedeutenden) töchter österreichs nicht nur im politischen ,gesellschaftl. spektrum alles geleistet haben.

    kürzlich sollte ich bei derStandard an eine online- umfrage teilnehmen
    - lustig ging`s zu als mir fragen zu meiner berufl. tätigkeit wie folgt vorgestellt wurden: selbständigEr, leitender beamtER, angestelltER, angestellter geschäftsführER, sonst. beamtER, facharbeitER, meistER, landwirt – obwohl vorher nach männlich oder weiblich gefragt wurde.

    ich wurde als weiblicher mensch überhaupt nicht angesprochen, nicht einmal in erwägung gezogen. das zeigt mir wieder einmal, wieviel zu tun ist und wie wichtig, bedeutend die feministische sprachkritik (Luise F. Pusch) ist . zwei kleine buchstaben `in` , die sprachliche sichbarmachung des weiblichen führt/e zu einem aufstand.
    das zeigt mir, wie unwichtig diese kritikerInnen weibliche menschen nehmen. und genau das zeigt sich auch in anderen fragen, die mit feminismus zu tun haben…das maskulinum immer noch die norm?

    ganz lieben dank an @ piratenweib von mazza

    http://www.mainz.de/C1256D6E003D3E93/files/FemininMaskulin.Einfuehrung_in_geschlechtergerechte_Sprache.pdf/$FILE/FemininMaskulin.Einfuehrung_in_geschlechtergerechte_Sprache.pdf

    • Piratenweib 11. August 2010 22:30 Antworten

      österr. politikerinnen bemühen sich um eine kleine texänderung für die bundeshymne “heimat bist du großer söhne” – hinzugefügt werden sollten auch die töchter” – ein enormer aufschrei ging durch die – zumeist – männerkehlen. hässliche kommentare wurden gepostet. das schlimme ist, dass die eigenen österreicher ihre vielen bedeutenden töchter gar nicht kennen?

      Darüber habe ich auch geschrieben, als die Hymne Österreichs von Christina Stürmer so schön erweitert wurde und auch gleich ein paar Vorschläge für die deutsche Hymne gemacht :-)

      Sprache ist immer noch ein sehr wichtiges Thema, wenn es um Machtstrukturen geht. Wir müssen am Ball bleiben und nicht nachlassen.

    • Dogo 12. August 2010 00:51 Antworten

      99 sängerinnen und 1 sänger sind für viele auch heute noch 1oo sänger. aufgetan hat sich die männerschublade, verschwunden sind die 99 sängerinnen. seitdem ich mich mit feministischer sprachkritik beschäftige, sind mir die augen geöffnet worden, wie sich das maskulinum auch in der sprache mit dominanz breit gemacht hat.

      Ich glaube, dass sich da die Katze in den Schwanz beißt (muss ich das jetzt auch feminisieren?). Dir fällt es nur auf, weil Du Dich damit so eingehend beschäftigst. Deswegen deutest Du auch etwas da hinein, was dort nicht zu finden ist und bestenfalls noch Sprachhistorisch drin steckt.
      Also ich würde nie auf die Idee kommen, dass 100 Sänger nicht auch zur Hälfte Frauen sein könnten. Klar, dass 100 Mädels, die ohne Jungs singen “Sängerinnen” sind. Aber damit sind wir bald so weit, das jeder eine persönliche Erwähnung bekommen möchte. Wir haben derzeit 55% Migranten-Kinder. Bekommen die in 15 Jahren nun auch eine eigene Endung? Oder die über 50% Senioren?
      und wenn Du von “breit gemacht” sprichst, dann klingt das so, als hätte es früher eine geschlechtsneutrale Sprache gegeben, die “wir Männer” verdrängt haben.

      Wenn eine Frau zwischen 99 Männern singt und man von Sängern spricht und sie sauer darüber ist – dann ist das doch nichts weiter als Geltungsdrang. Dann ist es scheinbar wichtiger, dass sie eine Frau ist, als dass sie singt. Wenn eine einzelne Frau also erwähnt werden muss, weil sie eine Frau ist, dann frage ich mich, ob man alle Frauen für so schlecht und unterbelichtet hält, dass sie in jeder noch so alltäglichen Funktion noch mal extra erwähnt werden müssen.

      das zeigt mir, wie unwichtig diese kritikerInnen weibliche menschen nehmen.

      Nein. Das zeigt einfach, dass es nichts besonderes ist, eine Frau zu sein und die Worte aus einer Zeit stammen, in der es noch um lebensnahe Themen ging und man sich keine ausdenken musste um wahrgenommen zu werden.

      Ich würde mich übrigens wahnsinnig über Großbuchstaben freuen.

      • Piratenweib 12. August 2010 11:51 Antworten

        Ich würde mich übrigens wahnsinnig über Großbuchstaben freuen.

        KANNST DU HABEN, WENN DU SO GERN ANGESCHRIEN WIRST:
        DU HAST ÜBERHAUPT NICHT VERSTANDEN, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE UND ICH HABE KEINE LUST, MICH MIT UNGEBILDETEN MENSCHEN WIE DIR AUSEINANDER ZU SETZEN. WAR DAS KLAR UND GROSSBUCHSTABIG GENUG FÜR DICH?

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