Zumindest sieht das offenbar unsere Bundesregierung so. Nachdem Familienministerin Schröder vor kurzem noch verkündete, an der Erweiterung der sog. Vätermonate von 2 auf 4 fest zu halten, ist sie nun offenbar unter dem Druck der schwarz-gelben Koalition eingeknickt. Es wird keine Verlängerung der Vätermonate geben. Aus Geldmangel.
Nun könnte mensch natürlich auch sagen: Wofür eine Regierung Geld ausgibt, ist ein Zeichen für die Prioritätensetzung dieser Regierung. Kinder sind offenbar keine Priorität, entgegen aller anderslautenden Äußerungen. Das Elterngeld schlägt derzeit mit 4,48 Mrd. Euro zu Buche. Der Haushalt des Verteidigungsministeriums z.B. umfasste für 2010 über 31 Mrd. Euro, davon allein 2,24 Mrd. Euro für “Materialerhaltung”.
Es kaum zusätzliches Geld dafür erforderlich, wenn es eine paritätische Aufteilung der aktuell insgesamt 14 möglichen Elternmonate auf beide Eltern gäbe – 7 für die Mutter, 7 für den Vater – wie es gerecht wäre. Und das dann verpflichtend. Punkt. Das würde die besondere Situation von Müttern auf dem Arbeitsmarkt komplett verändern. Denn Väter würden dann ebenso idR für ein gutes halbes Jahr im Betrieb ausfallen. Zusätzlich solltes analog zum Mutterschutz (der als Zwangsinstitution auch mehr als sonderbar ist), eine Zeit des Vaterschutzes im Zeitraum um die Geburt des Kindes geschaffen werden. Dies würde beiden Elternteilen die Möglichkeit geben, sich gegenseitig in der anstrengenden Betreuung eines Säuglings abzuwechseln, aber auch, sich an das veränderte Leben mit einem Kind zu gewöhnen. Beide Elternteile und auch das Kind würde von einer solchen gerechten Regelung profitieren.
Ich verstehe nicht, warum gerade auf dem Gebiet der Familienpolitik noch derartig viele Unterschiede zwischen den Geschlechtern gemacht werden, bzw. Mütter und Väter quasi gegeneinander ausgespielt werden.
Höchste Zeit, dass sich was dreht.











Sorry, aber das ist Quatsch. Ich bin Vater und mache gerade 12 Monate Elternzeit. Einzig die starre Aufteilung von 12 + 2 Monate ist etwas blöd. 7+7 würde nichts ändern, weil ebenfalls »Zwang«.
Sorry, aber das ist Quatsch. 7 + 7 würde die Welt verändern.
Das Denken über Mütter und Väter verändern, das Denken über die Rollenverteilung von Müttern und Vätern verändern. Es wäre ein himmelweiter Unterschied! Auch wenn an der Anzahl der Monate insgesamt nichts verändert würde.
»7 + 7 würde die Welt verändern.
Das Denken über Mütter und Väter verändern, das Denken über die Rollenverteilung von Müttern und Vätern verändern. Es wäre ein himmelweiter Unterschied!«
Verstehe ich nicht. 7+7 würde mir die von mir gewünschte einjährige Elternzeit wegnehmen. Welches Denken wird dadurch verändert? Es würde höchstens das (Nach)Denken darüber abgeschafft, wer den längeren Part der Elterzeit übernimmt. Das hätte dann der Staat für die Eltern entschieden.
Nochmal: Egal, ob 12+2, 11+3, 10+4, …, 7+7, Zwang bleibt Zwang. Einzig eine flexible Aufteilung von 14 Monaten mit einem Mindestanteil von z.B. 2 Monaten für einen Elternteil (egal ob Mann/Frau) wäre eine sinnvolle Änderung.
Es gibt ja gibt ja einen natürlichen Zwang, der hier ganz gern mal übersehen wird: Ein Säugling muss versorgt werden, egal von wem! Was würde passieren, wenn beide Eltern aus ganz freier Entscheidung sagen: “Nö, ich nicht.”? Hmm?
Unser Denken. Geschlechterrollendenken, Stereotypdenken. Klar, allein davon wird sich die Welt (noch) nicht verändern, aber es wäre ein Schritt auf dem Weg und der ist ja bekanntlich das Ziel.
Ich finde es auch schade, daß nicht einmal für 2 lächerliche Monate Elternzeit Geld da ist.
Noch viel mehr stößt mir dagegen auf, daß Mütter 2 zusätzliche Monate Elterngeld erhalten, wenn sie den Vater aus der Wohnung werfen. Alleinerziehende Mütter erhalten nämlich 14, statt 12 Monate Elterngeld wenn sie dies machen.
Nun denn, vermutlich braucht die Regierung das Geld für wesentlich wichtigere Dinge: Kriegspielen in Afghanistan, Bankenrettungen, EU-Hilfen für Länder die über ihre Verhältnisse gelebt haben, etc. pp.
Jau, das ist mal ‘ne tolle Geschäftsidee, damit werden die Mütter garantiert reich, und es geht ihnen so richtig klasse als Alleinbetreuende eines Säuglings. Hurra. *facepalm*
Das ist doch nur logisch: Müssen doch alleinerziehende Mütter UND Väter die Rolle des fehlenden Elternteils zusätzlich übernehmen. Sie sind beides in Personalunion.
Jau, das ist mal ‘ne tolle Geschäftsidee, damit werden die Mütter garantiert reich, und es geht ihnen so richtig klasse als Alleinbetreuende eines Säuglings. Hurra. *facepalm*
Mir ging es weniger um die finanziellen Interessen dieser Mütter, als vielmehr darum, daß durch den staatlich geförderte Rauswurf des Vaters staatlich gefördert Kinder eine Bezugsperson verlieren.
Das ist doch nur logisch: Müssen doch alleinerziehende Mütter UND Väter die Rolle des fehlenden Elternteils zusätzlich übernehmen. Sie sind beides in Personalunion.
Nö. Lt. DGB-Studie ist die Hälfte der alleinerziehende Mütter inzwischen über Hartz IV mit Vater Staat verheiratet. DER übernimmt das.
Das ist doch komplett Banane. Warum sollte eine Frau den Vater ihres Kindes denn rauswerfen? Damit sie dann ungestört nochmals 6 Monate daheim mit Baby vor sich hin gammeln kann? Was für ein Schwachsinn – Babypflege ist 24 Stunden Arbeit.
Wenn eine Frau einen Mann rauswirft (!), wird es wohl einen erheblichen Grund dafür geben. Mal davon abgesehen, dass sich ja die meisten dieser ungewollten Väter ganz von allein verzupfen. Und ein solcher Mann ist als Bezugsperson wohl denkbar ungeeignet. Ebenso wie dein “Vater Staat” keine Bezugsperson ist. Also spar dir deine Polemik.
Hier geht es um ernsthafte Problemstellungen in unserer Gesellschaft und deine negative Grundhaltung “Frauen bzw. alternativ ‘die Feministinnen’ sind an allem (selbst) Schuld” ist dermaßen dekonstruktiv, dass weitere Bemerkungen dieser Art nicht freigeschaltet werden!
Das ist doch komplett Banane. Warum sollte eine Frau den Vater ihres Kindes denn rauswerfen? Damit sie dann ungestört nochmals 6 Monate daheim mit Baby vor sich hin gammeln kann?
Sie kann damit 2 Monate länger Elterngeld beziehen, das ist Fakt. Alleinerziehung ist heute durchaus ein angestrebtes Lebensmodell, aber natürlich nicht für alle.
Wenn eine Frau einen Mann rauswirft (!), wird es wohl einen erheblichen Grund dafür geben.
Ja, z.B. das Bedürfnis alleine zu erziehen, alleine zu entscheiden.
Mal davon abgesehen, dass sich ja die meisten dieser ungewollten Väter ganz von allein verzupfen.
Das kannst Du sicher belegen?
Ebenso wie dein “Vater Staat” keine Bezugsperson ist.
Das sicher nicht, aber er übernimmt für die Hälfte aller alleinerziehenden Mütter die traditionelle Rolle des Mannes, also den Heranschaffen von Geld.
“Frauen bzw. alternativ ‘die Feministinnen’ sind an allem (selbst) Schuld” ist dermaßen dekonstruktiv,
Habe ich nirgends geschrieben.
dass weitere Bemerkungen dieser Art nicht freigeschaltet werden!
…das wäre keine Premiere…
Ach, und wo wir gerade so halbwegs beim Thema sind: Kindererziehungszeiten werden einer Mutter automatisch zu 100% zugesprochen, selbst wenn der Vater 10, 50 oder 100% betreut. Noch so ein Reformfeld.
Ja, es gibt eine Menge Reformfelder und ich halte grundsätzlich nichts, überhaupt nichts von traditionellen Rollen. Wenn du also damit argumentieren willst, bist du hier grundverkehrt. Wenn ein Mann sich in die tradierte Rolle des Familienernährers begibt, ist das seine freie Entscheidung. Oder etwa nicht? Begibt sich eine Frau in die tradierte Rolle der Familienhausfrau, dann ist das ihre freie Entscheidung, oder? Mit allen Konsequenzen und Folgen, die unsere heutige (und auch frühere) Gesellschaft so zu bieten hat. Oder?
Ja, es gibt eine Menge Reformfelder und ich halte grundsätzlich nichts, überhaupt nichts von traditionellen Rollen. Wenn du also damit argumentieren willst, bist du hier grundverkehrt.
Mir liegt es fern hier über die traditionelle Rollenverteilung zu diskutieren, da kann ich Dich beruhigen. Andererseits bin ich aber auch nicht so intolerant wie Du in Bezug auf Menschen die sich freiwillig für die tradtionelle Rollenverteilung entscheiden. Ich blicke da auch ganz persönlich auf meine Eltern die damit seit über 40 Jahren eine beiderseits höchst glückliche Ehe führen. Nichts läge mir ferner als meine Eltern dafür irgendwie schief anzusehen. Es ist vielmehr bewundernswert wie zufrieden beide damit sind.
Wenn ein Mann sich in die tradierte Rolle des Familienernährers begibt, ist das seine freie Entscheidung. Oder etwa nicht?
Das ist keineswegs der Fall. Männer werden durch die Gesetzeslage im Falle einer Trennung in die Ernährerrolle gezwungen (mit Gefängnisandrohung nach §170 StGB). Im Trennungsfall schaltet dieser Staat ruckzuck auf die tradierte Rollenverteilung um, nicht nur bei Männern auch bei Frauen.
Und auch während einer intakten Partnerschaft hat ein Mann keinerlei Möglichkeiten seiner Ernährerrolle zu entkommen. Jedenfalls dann nicht, wenn seine Partnerin, wie häufig der Fall ist, versorgt werden möchte, oder nur bereit ist etwas hinzuzuverdienen. Ein Mann hat da keine Wahlfreiheit die durchsetzbar ist. Es sind vielmehr die Mütter welche eine Wahlfreiheit haben, nämlich die Wahlfreiheit alleine zu erziehen. Aus diesem Grunde reagieren die Mütterverbände ja auch so gereizt auf das Thema Sorgerecht, denn da ist diese Wahlfreiheit gefährdet.
Mit allen Konsequenzen und Folgen, die unsere heutige (und auch frühere) Gesellschaft so zu bieten hat. Oder?
Das sehe ich anders. Der aktuelle Diskurs lautet ja ungefähr folgendermaßen: Wer als Alleinverdiener fungiert, muß auch nach einer Trennung weiterhin Unterhalt für den Ex-Partner zahlen. Diese These unterschlägt jedoch daß der unterhaltsberechtigte Partner seinen Unterhaltsanspruch von ganz allein herbeiführen kann. Er muß nur die Erwerbsarbeit verweigern, schon beginnen sich Ansprüche auf Unterhalt anzuhäufen. Dabei geht es dann nicht nur um “normalen” Unterhalt, der Staat wälzt sogar Kosten an den Unterhaltszahler ab, die der Staat eigentlich selbst zu tragen hätte. So gibt es z.B. Unterhalt aus Gründen von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter etc. pp. In der Praxis wird der Mann als kostenlose Sozialversicherung mißbraucht.
Entscheidend ist die Tatsache, daß ein Vater zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hat schadlos aus der Sache rauszukommen. Geht die Partnerschaft vor der Geburt des Kindes in die Brüche, kommt das Kind natürlich zur Mutter, Papa darf bezahlen, zwangsweise. Geht die Partnerschaft in die Brüche wenn das Kind noch klein ist, kommt das Kind natürlich auch zur Mutter, und Papa wird auch in diesem Fall in die Bezahlerrolle gezwungen, ob er will oder nicht. Ist das Kind bei der Trennung schon größer hat er die Chance das das Kind bei ihm wohnen wird. Dafür darf er dann aber Unterhalt an die Ex zahlen, die sich jahrelang um das Kind gekümmert hat, und wird wieder in die Bezahlerrolle gezwungen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Eine freie Entscheidung aus der Ernährerrolle rauszukommen hat Mann nur wenn Frau mitspielt.
Ich fürchte, du hast die Ironie schon wieder nicht verstanden …
Und:
Doch: Do not fuck without a condome!
Doch: Do not fuck without a condome!
Nicht einmal das ist ganz korrekt, denn Vater wird man in der Regel nur wenn man auf das Kondom verzichtet.
Aber ok, von dieser Spitzfindigkeit abgesehen, hast Du recht: Auf jeden Fall auf Vaterschaft verzichten, das ist der beste Rat, dem man jungen Männern heute geben kann. Das beherzigen ja auch schon immer mehr Männer. Kein Wunder daß Frauen als Hauptgrund für ihre Kinderlosigkeit mit weitem Abstand angeben nicht den richtigen Partner zu finden.
Irgendwie kein Zukunftsmodell, weder für Frauen noch für Männer, findest Du nicht?
Ach weißt du, wenn beide keine Kinder mehr wollen – weder Frauen noch Männer – dann haben sich bald eine Menge Probleme von selbst erledigt. Ich bin nicht so überheblich zu behaupten, dass diese Welt ohne uns Menschen nicht existenzfähig ist.
Mutterschutz als “Zwangsinstitution”? Interessante Theorie. Natürlich könnte man die rechtlichen Regelungen anders ausgestalten und die Regelungen disponibel machen. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die zwingenden Beschäftigungsverbote im Rahmen halten stellt sich aber die Frage, ob dann überhaupt noch ein ausreichendes Schutzniveau gewährleistet werden kann. Oder ob dann nicht der ein oder andere Arbeitgeber geneigt ist, etwas Druck auszuüben, so dass die Frau “freiwillig” auf ihre Rechte verzichtet.
Dann hätte der Mutterschutz seine Intention verfehlt – und genau solche Überlegungen sind es, die bei der Festlegung einer Vorschrift als “zwingend” eine Rolle spielen.
Zudem halte ich es für äußerst fraglich, ob es Aufgabe des Staates ist, in die familieninterne Abstimmung über die Kinderbetreuung einzugreifen; geht man davon aus, dass diese Diskussion zwischen zwei freiverantwortlichen Individuen geführt wird, besteht dazu eigentlich kein Grund. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Natürlich ist Mutterschutz, so wie er heutzutage verstanden wird, eine Zwangsinstitution. Schwangerschaft ist schließlich keine Krankheit! Auf der anderen Seite besteht natürlich die Gefahr, dass Arbeitgeber_innen versuchen könnten, Druck auszuüben. Das ist allerdings nichts Neues. Arbeitgeber_innen versuchen stets Druck auf Arbeitnehmer_innen auszuüben. Sind die Arbeitsplätze rar, wirkt sich dies umgehend auf Lohnhöhe und Urlaubsanspruch, Sonderzulagen und Weihnachtsgeld aus – das wird nämlich alles weniger. Darum ist der sog. “Arbeitsmarkt” auch kein freier Markt. Hier herrschen ungleiche Kräfte- und Machtverhältnisse.
Es ist auf jeden Fall Aufgabe des Staates für Geschlechter-Gleichheit und Gerechtigkeit zu sorgen. Mutterschutz, aber kein Vaterschutz – das ist keine Gerechtigkeit, das ist staatlich sanktionierte Ungleichbehandlung sprich: Diskriminierung. Über die Kinderbetreuung selbst können die Eltern selbstverständlich auch bei paritätischer Aufteilung der Elternmonate weiterhin frei entscheiden. Wenn ein Elternteil seine/ihre Monate nicht nutzt, verfallen sie eben. Wo ist das Problem? Wer die Elternmonate nicht nutzen will, wird sicherlich einen Grund dafür haben. Das ist ja dann auch freie Entscheidung.
Genau diese ungleichen Verhältnisse sind es ja, die dazu führen, dass bestimmte Regelungen zwingend sind. Der Mutterschutz ist in vielen Bereichen disponibel, Beschäftigungsverbote auch gegen den Willen der (werdenden) Mutter bestehen nur begrenzt. Theoretisch dürften diese bis zum Geburtstermin arbeiten – solange keine Gefahr für Leib und Leben durch die Beschäftigung besteht und solange sie nicht unter einen der (sich wirklich in Grenzen haltenden) Ausnahmebestände des Mutterschutzgesetzes fallen.
Dabei von “Zwangsinstitution” zu sprechen – was suggeriert, dass der Mutterschutz fundamentalen Interessen der Mutter und des Kindes zuwider läuft – halte ich dann doch eher für gewagt. Dass ist so, als würde man generell vom Arbeitsrecht als Zwangsinstitution sprechen, weil Menschen gegen höheres Gehalt nicht auf fundamentale Arbeitsschutzmaßnahmen verzichten dürfen.
Was die “Diskriminierung” angeht: “Nur” Mutterschutz und kein Vaterschutz mag man bei einer sehr weiten Auslegung als “Diskriminierung” ansehen können; diese Diskriminierung ist aber biologisch und medizinisch ohne weiteres gerechtfertigt, weil Männer nun einmal keine Kinder gebären können und daher in der Schwangerschaft durch die Zulässigkeit der Beschäftigung weder die Gesundheit des Mannes noch die des Kindes gefährdet werden. Mit den gleichen Argumenten könnte man behaupten, Frauen würden diskriminiert, weil Frauen von Krankenkassen keine Vorsorgeuntersuchung bezüglich Prostatakrebses gezahlt wird.
Natürlich ist eine Schwangerschaft keine Krankheit – aber es besteht durch die Schwangerschaft eben eine erhöhte Gefährdung; nicht nur der Frau, sondern auch des Kindes.
Was die Elternmonate angeht: Stimmt. Du hast Recht, eigentlich gibt es keine Probleme bei einer verpflichtenden paritätischen Aufteilung der Elternmonate. Das ist in der Tat etwas, worüber man nachdenken könnte.
Oh ja, dein schönes “Arbeitsrecht” wird ganz schnell zu Zwangsarbeit, wenn du in eine entsprechende Situation kommst. Hör dich doch mal um den Arbeitslosenforen, wie es zugeht, wenn mensch vom Amt gezwungen wird, sich z.B. bei ausbeuterischen Zeitarbeitsfirmen zu bewerben. Da geht das Recht auf freie Berufswahl (immerhin ein sog. Grundrecht) ganz schnell flöten!
Das stelle ich aber dermaßen in Frage! Gefährdung. Pah! Was ist denn mit den Frauen, die keinem Arbeitgeber_in zu Diensten sind, sondern zu Hause mit bereits vorhanden Kinder oder gar in der Landwirtschaft schuften? Meinst du da kümmert sich jemand um eine “erhöhte Gefährdung”? Also echt jetzt. Mutterschutz abhängig zu machen von abhängiger Beschäftigung ist doch perfide.
Der Zwang zur Bewerbung bei Zeitarbeitsfirmen aufgrund von Arbeitslosigkeit (und damit der Abhängigkeit von Sozialleistungen) ist kein Arbeitsrecht, sondern fällt in den Bereich des Sozialrechts. Dann sind wir in einer ganz anderen Kategorie. Arbeitsrecht ist das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Und da ist es alles andere als eine “Zwangsinstitution”, sondern es regelt eben gewisse Rechte und Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers. Dabei enthält es schon aufgrund der faktisch schlechteren Stellung des Arbeitnehmers viele Schutzvorschriften zu Gunsten des Arbeitnehmers.
Was die Gefährdung der Mutter und des Kindes angeht: Du willst mir jetzt hoffentlich nicht erzählen, dass eine Frau im 8. Monat ohne Probleme nicht nur zur gleichen Leistung wie eine nicht-schwangere Frau fähig ist, sondern ebenso wie letztere ohne irgendeine Gefährdung durchaus auch schwere körperliche Arbeit verrichten kann und dass man sie ohne weiteres als Arbeitgeber auch mal zwischenzeitlich größeren Stresssituationen aussetzen können sollte? Den Mutterschutz von abhängiger Beschäftigung abhängig zu machen ist grade nicht perfide; Es ist ein Ausdruck der freiverantwortlichen Selbstbestimmung des Individuums. Der Staat kann werdende Mütter schlecht zwingen, von sich aus bestimmte Dinge in der Zeit zu unterlassen, in der sie über sich selbst bestimmen. Bei abhängiger Beschäftigung ist die Situation aber eine ganz andere: Der Arbeitnehmer ist hier in einer potentiell unterlegenen Situation gegenüber dem Arbeitgeber, was es rechtfertigt diesen zu zwingen, ein gewisses Schutzniveau zu beachten.
Ich will dir ernsthaft erzählen, dass es durchaus schwangere Frauen gibt, die mehr Leistung bringen können als nicht-schwangere Frauen oder Männer. Ich will dir ernsthaft erzählen, dass Menschen unterschiedlich sind – auch schwangere.
Und Stresssituationen werden sie so oder so ausgesetzt – die macht schon allein die Schwangerschaft. Wo ist das Problem?
Und ja, ich bin Mutter.
Du unterteilst die Zeit also generell in fremdbestimmt = Arbeit und selbstbestimmt = Freizeit. Hmm. Finde ich problematisch, illustriert aber wie du die Welt siehst.
Tut mir leid, das habe ich so nie behauptet. Ich behaupte, dass Gesetze abstrakt und in der Regel nicht für einen Einzelfall gemacht sind, also Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen. Natürlich gibt es Schwangere, die mehr leisten können als Nicht-Schwangere. Wenn ich aber eine bestimmte Frau habe, also ihren Charakter, ihre Leistungsfähigkeit, ihre Konstitution usw., ist es wohl nicht unrealistisch anzunehmen, dass sie als Hochschwangere tendenziell weniger stark belastbar ist als wenn sie nicht schwanger wäre.
Bei der Arbeits- und Freizeit ist es ähnlich. Natürlich ist Freizeit nicht immer selbstbestimmt. Die Möglichkeit, über die Nicht-Arbeitszeit zu disponieren ist aber sehr viel größer, die Zeiteinteilung grundsätzlich sehr viel flexibler.
Es ist ziemlich unrealistisch anzunehmen, der Staat könnte für jeder Person einzeln maßgeschneiderte Regelungen erfinden, die genau das Schutzbedürfnis und die Flexibilität jeder einzelnen Person erfassen und sich genau danach richten. Man kann gewisse Ungenauigkeiten im Einzelfall kritisieren – die lassen sich aber nicht allesamt beseitigen. Wie sähe denn deiner Meinung nach eine vernünftige gesetzliche Regelung aus, die einerseits Schwangere schützt, andererseits aber nicht zwingend ist (Vor allem beim Kündigungsschutz wird das interessant). Oder gehst du generell davon aus, dass Schwangere kein höheres Schutzbedürfnis als x-beliebige andere Arbeitnehmer haben?
Ja, natürlich. Schwangere sind weder krank noch behindert.
Die Schutzwürdigkeit ergibt sich meines Erachtens aus ganz grundlegenden Überlegungen auch ohne Krankheit oder Behinderung:
Grundsätzlich hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, Arbeitnehmer abzumahnen oder sogar die Kündigung auszusprechen, wenn sie ohne Entschuldigung fehlen. Eine Frau in den Wehen kann nicht arbeiten, zumindest der Zeitraum unmittelbar vor und nach der Geburt muss also als Entschuldigungsgrund für ein Fehlen gelten. Es leuchtet wohl den meisten Menschen ein, dass der Arbeitgeber die Geburt selber nicht zum Anlass nehmen können sollte, die (werdende) Mutter zu feuern. Wenn aber die Wehen und die Geburt als Entschuldigungsgrund für ein Fehlen ausreichen, entspringt das der erhöhten Schutzbedürftigkeit der Schwangeren gegenüber anderen Arbeitnehmern.
Letztendlich stellt sich also meiner Meinung nach nicht die Frage, ob Schwangere ein erhöhtes Schutzbedürfnis haben, sondern nur, wie weit dieses Schutzbedürfnis reicht.
Ja, so wenig wie ein anderer Mensch mit Schmerzen arbeiten kann. Allerdings bin ich ja dafür, dass auch der werdende Vater kurz vor und auch nach der Geburt eine Art “Vaterschutzurlaub” nehmen muss! Das ist für alle Beteiligten von Vorteil. Und es benachteiligt eben keine werdenden Mütter, so wie es zur Zeit ist.
Einen kleinen Einwand habe ich, obwohl ich das Elterngeld gut finde. Wenn es verlängert würde, und immerhin war von einer Verdopplung der Zeit die Rede (26 oder 28 Monate ursprünglich. Ich weiß es jetzt nicht mehr genau), dann gäbe es wieder weniger Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen würden. Das aber, ist ebenfalls Teil der Kinderförderung, die sich erwiesenermaßen positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. (+Sprachförderung)
Also, von einer Verdoppelung der Elternzeit habe ich nichts gehört. Meines Wissens war die Erweiterung der “Vätermonate” genannten Elternmonate (bisher 2) auf 4 Monate geplant. Das ist nicht gerade weltbewegend.
Insgesamt 12 oder 14 Monate Elternzeit für beide Elternteile paritätisch aufgeteilt (bei Alleinerziehenden müsste dann eine äquivalente Lösung gefunden werden), wäre doch sehr gerecht. Danach sollten selbstverständlich ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, damit Mütter und Väter wieder arbeiten können, wenn sie dies wünschen. Ich bin sehr dafür, Kinder so früh wie möglich in Förderungseinrichtungen einzubinden. Eine wichtiger Part der Chancengleichheit für Kinder gerade aus schwierigen Verhältnissen.
Aber keine Sorge, Kinder sind eine gigantische Priorität der Regierung, so lange es sich um einen Embryo mit genetischem Defekt handelt, an dem sich jemand mit PID vergreifen will.
Danach etwas weniger, ok.