Ich bin eine Schlampe!

Mit der Idee der \”Slutwalks\” oder auf Deutsch \”Schlampenmärsche\” setze ich mich nun schon einige Zeit auseinander. Zuerst fand ich diese Bezeichnung ganz und gar nicht gut, ich lehnte es ab, mich selbst einer solchen Namensgebung zu bedienen.Und auch jetzt bin ich, was das angeht, noch im Zweifel, ob es möglich ist, den Begriff \”Schlampe\” neu zu besetzen.  

Die Idee hinter den Slutwalks finde ich aber absolut unterstützenswert. Es bringt die wichtigen Anliegen der Frauen wieder auf die Straße und es gibt große Aufmerksamkeit in den Medien. Diese Aufmerksamkeit gibt es jedoch nur – und das ist mir im Laufe der Überlegungen klar geworden – weil die Bezeichnung Schlampenmarsch und die evtl. freizügige Kleidung der teilnehmenden Frauen die Medien anzieht. Klar, nackte Frauen sieht mensch allerorten, in der Werbung gibt es in letzter Zeit wieder fast so viele wie in den 1970er Jahren und ich finde das nicht gut. 

\"Slutwalk

Deshalb erkläre ich mich heute solidarisch mit allen Teilnehmer_innen der Slutwalks, zumindest indem ich hier im Blog sage: Ich bin eine Schlampe …

… weil ich entscheide, wie ich mich kleide, ohne damit eine Aussage über meine sexuelle Verfügbarkeit zu machen,

… weil ich entscheide, mit wem, wann und wo ich Sexualität genießen will,

… weil ich nichts von einer Aufteilung in \”Heilige\” und \”Huren\” halte,

… weil es nicht von Kleidung oder Verhalten abhängt, ob eine vergewaltigt wird,

… weil mir die gesellschaftlichen Konventionen wurscht sind,

… weil Körper kein Allgemeingut sind, 

… weil es Zeit wird, die Rape Culture mit ihren Vergewaltigungsmythen aufzulösen,

… weil wir nur dann gut miteinander leben können, wenn wir bestehende Machtverhältnisse, die auf Ungleichheit bestehen, beseitigen,

… weil Vergewaltigungsopfer keine \”Mitschuld\” tragen,

… weil Nein auch Nein bedeutet.

Welche die Möglichkeit hat, morgen vor Ort an einem der Slutwalks teilzunehmen, möge das tun. Ich kann nicht, bin aber bei euch.

4 Comments

  1. Björn Meier 18. August 2011 13:44 Antworten

    Hi,

    ich finde – als Mann – so eine Aktion nicht gut. Der Grund ist einfach: Das Recht auf Selbstbestimmung, egal welchen Geschlechts, welche Rasse ist eine Selbstverständlichkeit und somit Indiskutabel.

    Solche Aktionen akzeptieren bloß das Verhalten anachronitischen Denkens und unterstützen dieses auch damit. Wenn dieses Recht doch aber selbstständlich ist, sollten wir es auch so positionieren. Diese Art des “Slutwalks” ist nichts anderes als die Aufrechterhaltung einer Sonderstellung und so etwas werde ich für meinen Teil nicht unterstützen.
    Es mag Regionen in unserer Welt geben wo diese Selbstverständlichkeit nicht allgemein akzeptiert ist, dort wären solche Aktionen – eventuell – angebrachter.
    In unseren Landen halte ich es für einen Fehler, sich als Frau hinter solchen Aktionen zu verstecken. Warum sollte ein Chauvinist, welche eine Frau nicht als gleichberechtigt nimmt, so eine Aktion würdigen? Dies wird als “Femininismus” abgetan und verspottet (mehrfach selbst erlebt). man kommt nur mit dem gefordertem Selbstbewusstsein und dem Bewusstsein sich selbst zu kennen und sich selbst wahrzunehmen weiter.
    Alles andere ist nur das Füttern des vermeindlichen “Status Quo”.

    Gruß,
    Björn

    • Piratenweib 20. August 2011 11:17 Antworten

      Bei einem Punkt zumindest stimme ich dir zu:

      Das Recht auf Selbstbestimmung ist indiskutabel.

      Aber das bloße Vorhandensein dieses Rechtes allein bedeutet noch nicht, dass es auch gesellschaftlicher Konsens oder tatsächlich gesellschaftlicher Alltag ist.
      Und klar – ein Chauvinist wird sicherlich keinerlei Aktionen von Frauen würdigen. Wie auch? Wer Menschen nicht würdigt, kann auch ihre Aktionen nicht würdigen. In anderen Ländern sind andere Dinge erforderlich. Wir leben aber in Deutschland, Europa. Nicht in Indien, nicht im Iran, nicht in Afghanistan und auch nicht in Saudi Arabien.

  2. Geroold Flock 29. August 2011 03:13 Antworten

    Selbstverständlich ist in unserer spießigen, konservativen Gesellschaft gar nichts.
    Slutwalks? – Würde mich interessieren. Hab noch keinen erlebt.

    …und wenn ich machen kann was ich will, dann muß ich nicht erwähnen, daß es eine Selbstverständlichkeit ist, daß Frau das auch kann.
    Schlechten Sex kann ich mit Jeder/Jedem haben…und Liebe kann ja wohl nicht Besitzgier, Eifersucht, Abhängigkeit, Selbstmitleid, Pflicht, Qual, Verantwortung oder Herrschsucht sein? – Liebe folgt niemanden. – Liebe gehorcht nicht. – Liebe ist aktiv und gegenwärtig.

    http://geroldflock.de/index.php/freie-liebe

    http://www.geroldflock.de

  3. NannyOgg07 4. Dezember 2011 21:25 Antworten

    Hi,

    mir ging es wie Dir, zunächst war ich fast entsetzt, mich als Schlampe bezeichnen erschien mir dann doch zu heftig. Inzwischen habe ich unter anderem in der “Wir Frauen” lesen dürfen wie es zu dem Namen kam und kann mich dem deutlich mehr anschließen (Angeblich habe ein Polizist zu ein paar jungen Mädchen in USA gesagt wenn sie nicht vergewaltigt werden wollten sollten sie sich nicht wie Schlampen kleiden- ein Spruch den wohl jede schon irgendwann so oder in ähnlicher Form zu hören bekommen hat).

    Was die Aufmerksamkeit angeht- erinnert an FEMEN, diese ukrainischen (?) Frauen, die barbusig politische Statements postulieren- ich würd es nicht machen, aber es ist durchaus eine Art von Strategie.

    Gruß mone

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