Piratenweib´s Blog

Mit piratigen Grüßen



Was ist das generische Maskulinum? 13

Geschrieben am März 11, 2010 von Piratenweib

Sehr schöne Übersicht der grammatischen und linguistischen Aspekte der Verwendung des sog. generischen Maskulinums. Empirische Untersuchen haben gezeigt, dass das genMask keineswegs so prinzipiell als allgemeingültige Bezeichnung verstanden wird, wie das gerne mal behauptet wird.

Wird das “generische” Maskulinum wirklich generisch verstanden?.

Click to continue reading “Was ist das generische Maskulinum?”

Hirnfick 2.0 » Tuxprojekt 14

Geschrieben am Februar 11, 2010 von Piratenweib

Und dann schauen wir mal in die Suchfunktion des Piratenweibes Weblogs (was schon ärgerlich genug klingt) und finden erst mal mehrere Seiten “Piratin” und, au contraire, immerhin ein Ergebnis für “unpiratig”, und das hat es in sich, betont die Verfasserin doch dort, dass es wichtig sei, auf die “Außenwirkung” seiner Wortwahl zu achten, wenn man Pirat ist.

via Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Leser (innen und außen)

Tja, mein lieber Tuxi, ich bin aber kein Pirat! Ich bin Piratin. Für mich – und das ist ganz persönlich und keine Parteimeinung! – ist das Wort “Pirat” nicht geschlechtsneutral. Deshalb achte ich in der Tat auf meine Wortwahl – weil sonst leicht der Eindruck entstünde, die Piratenpartei wäre eine reine Männerpartei. Es kann natürlich sein, dass das von gewissen Herren durchaus so gewünscht ist. Aber das kann ich selbstredend nicht unterstützen – deshalb: ich mache keinen Hehl daraus, dass mein Geschlecht weiblich ist. Bei “tux” weiß man das ja nicht so genau …

Click to continue reading “Hirnfick 2.0 » Tuxprojekt”

99 Sängerinnen … 24

Geschrieben am Januar 28, 2010 von Piratenweib

… oder warum Sprache wichtig ist.

Kleine Hommage an Luise F. Pusch
Mitbegründerin der feministischen Linguistik.

“Männer werden immer richtig eingeordnet, Frauen fast nie, denn in unserer Sprache gilt 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind zusammen 1oo Sänger. Futsch sind die 99 Frauen, nicht mehr auffindbar, verschwunden in der Männerschublade. Die Metapher bewirkt, dass in unseren Köpfen nur Mannsbilder auftauchen, wenn von Arbeitern , Dichtern, Studenten, Rentnern oder Ärzten die Rede ist, auch wenn jene Rentner oder Ärzte überwiegend Ärztinnen oder Rentnerinnen sind” (Luise F. Pusch, Feministische Sprachwissenschaftlerin aus “Alle Menschen werden Schwestern”.)

Hübsch formuliert auch hier: nach einem Referat von Luise Pusch:
Der Arzt ist schwanger. Ungleichheit in der Sprache.

Die taz berichtete vor einiger Zeit über Leben und Werk von Luise Pusch:
Worte sind die Sache selber
.
Aus diesem Artikel:

PROF. DR. LUISE F. PUSCH, 65, hatte die Substantivierung von Verben im Englischen und Deutschen und das italienische Gerundiv erforscht, bevor sie anfing, Absurditäten und Wertungen der Bezeichnungen für Männer und Frauen systemlinguistisch nachzuweisen. Während ihre Aufsatz- Vortrags- und Glossensammlungen “Das Deutsch als Männersprache”, “Alle Menschen werden Schwestern” und “Die Frau ist nicht der Rede wert” bei Suhrkamp zu wissenschaftlichen Bestsellern wurden, wurde sie wegen ihrer Forderung nach einer “bequemen und gerechten Sprache” von der deutschen Uni-Linguistik geächtet. Als freie Autorin untersucht sie von ihrem Wohnort Hannover aus am virtuellen Institut für feministische Biografieforschung (www.fembio.org) weibliche Lebenswege: Zu den Früchten dieser Arbeit gehören die Porträt-Anthologien “Wahnsinns-Frauen” und “Berühmte Frauen” sowie der “Frauen-Kalender”. In Glossen beschreibt sie die Geschlechter-Paradoxien der Alltags- und Mediensprache – zuletzt “Die Eier des Staatsoberhaupts” (2008) und “Der Kaiser sagt Ja” (2009).

Durch die Bücher von Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz bin ich vor vielen Jahren auf die Ungleichheit in der Sprache gestoßen. Die Theorie der ungleichen sprachlichen Behandlung von Frauen und Männern ist ja inzwischen nahezu unbestritten. Jedoch haben sich noch nicht wirklich geschlechtergerechte Sprachänderungen durchgesetzt. Gegen das Binnen-I (Beispiel StudentIn) besteht teils extrem großer Widerstand, was bis zu Browser-Addons geht, die das Binnen-I automatisch aus Texten entfernen. Eine andere Variante, Frauen sichtbar zu machen, ist das Unterstrich-in, also z.B. Student_in, ich wiederum bevorzuge Student/in. Es ist richtig, dass manchmal der Lese- oder Redefluss bei Verwendung von geschlechtergerechter Sprache nicht ganz so leicht von den Lippen geht, aber das Ziel ist derart kleine Schwierigkeiten durchaus wert. Wie sagt Luise so schön im taz-Interview:

Natürlich ist es ein Streit um Worte. Wir leben aber doch im Zeitalter der Information. Und Sprache ist das Mittel der Information. Wie wollen Sie denn zwischen Worten und Information unterscheiden? Die Worte sind die Sache selber. Gleiche Erwähnung ist genauso wichtig wie gleiche Bezahlung.

Wir leben in der Informationsgesellschaft, Informationen aber werden durch Sprache vermittelt, ganz zu schweigen von den untergründigen Konnotationen, die ebenfalls durch sprachliche Kommunikation übermittelt werden.

Gerade unsere deutsche Sprache wird zwar oft als überarbeitungsbedürftig gesehen, und diese Änderungen werden dann sogar hoheitlich mit Gewalt durchgestetzt – siehe neue deutsche Rechtschreibung – aber eine sprachliche Sichtbarmachung von Frauen als politisch wichtiges Ziel festzuschreiben, das ist den Meinungsmachern noch nicht eingefallen. Dafür müssen wir noch ganz schön kämpfen …

Manche sagen: “ist doch egal, ob man Arzt oder Ärztin sagt”. Aber es ist eben nicht egal, nicht gleichgültig (die Wortbedeutung von egal). Wie bereits oben erwähnt: 100 Sänger können 99 Sängerinnen und ein Mann sein. Traurig, aber wahr.

Danke, Luise, dass du immer noch kein bisschen leiser geworden bist.



↑ Nach oben