Piratenweib´s Blog

Mit piratigen Grüßen



Alleinerziehende – Die Hätschelkinder der Nation 15

Geschrieben am Januar 26, 2010 von Piratenweib

Ich wollte eigentlich gar nichts dazu schreiben, da mir solche Artikel – noch dazu von der FAZ (ein kluger Kopf … etc.) – eigentlich jede Lust aufs Schreiben vermiesen. Aber jetzt muss ich doch, denn das ganze Ding zieht Kreise.

Alleinerziehende
Die Hätschelkinder der Nation
Von Rainer Hank und Georg Meck

24. Januar 2010 Die Regierung legt vor, Kerstin F. muss folgen. „Die Politik hat die Alleinerziehenden zu ihrem Lieblingsthema gemacht“, sagt sie. Kerstin F. ist Einkäuferin bei der Bundesanstalt für Arbeit. Fördermaßnahmen für Mutter und Kind kauft sie ein: Prävention, Coaching, Stabilisierung, Aktivierung – stets zum Nutzen der Alleinerziehenden. Und finanziert vom Steuerzahler.

via FAZfinance – Alleinerziehende – Die Hätschelkinder der Nation.

„Alleinerziehend – alleingelassen.“ So tönt es quer durch alle politischen Parteien und Verbände. Dabei ist nichts so falsch wie dieser Satz. Alleinerziehende mögen arm oder traurig sein, von der Gesellschaft alleingelassen sind sie nicht. Im Gegenteil: Sie sind die Hätschelkinder des Wohlfahrtsstaates.

Dass eine große deutsche Tageszeitung sich traut, derartige Volksverblödung in die Öffentlichkeit zu setzen, ist einfach unglaublich. Sind die Ausländer als Sündenbock für den Zerfall des Staates und die Wirtschaftskrise nicht mehr genug? Müssen jetzt die nächsten herhalten, die – eigentlich Opfer unseres Wirtschaftssystems – nun zu Täterinnen stilisiert werden?

Zugleich stehen die Alleinerziehenden seit Jahren unter verschärfter Beobachtung der Statistiker und Demoskopen. Deswegen wissen wir auch, dass es im Jahr 2007 in Deutschland 1,6 Millionen Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren gab, dass das 18 Prozent aller Familien mit Kindern sind, dass in den neuen Ländern ihr Anteil an den Familienhaushalten bei 26 Prozent liegt und dass die Gruppe hierzulande stetig wächst – vier Mal so schnell wie im Schnitt der OECD-Länder.

Sind Alleinerziehende Terroristen? Oder warum sollten sie unter “verschärfter Beobachtung” stehen? Sie sind als Gruppe durchaus interessant, weil man an ihnen zum Beispiel den Bedarf für außerfamiliäre Kinderbetreuung wunderbar ablesen kann. Dass immer mehr Kinder aus Ein-Eltern-Familien kommen, sollte den Staat freuen: immerhin werden hier die fehlenden Generationen geboren, wo andernorts nur der Geburtenrückgang bejammert wird. Leute, die meinen, Alleinerziehende werden “verhätschelt”, sollten sich mal überlegen, was sie nun eigentlich wollen: Kinder zum Erhalt unserer Gesellschaft, oder Menschen ohne Kinder, die ihre Kraft allein dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Alles andere ist infame Heuchelei.

„Hartz IV schafft nicht unbedingt Anreize, in eine Partnerschaft zurückzukehren“, bestätigt die Sprecherin der Bundesanstalt. Ökonomen drücken dies noch viel radikaler aus: „Die staatliche Unterstützung nimmt den Charakter einer Trennungsprämie an“, urteilt der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Dabei behauptet niemand, die Alleinerziehenden führten auf Staatskosten ein komfortables Leben: Eine Alleinerziehende mit zwei Kindern (3 und 7 Jahre alt) erhält zum Beispiel knapp 1000 Euro monatlich.

Die Männerrechtler werden sich freuen, wenn die Alleinerziehenden ihre Bastionen stürmen, um von ihnen (bzw. ihren neuen Partnern) unterhalten und aushalten zu lassen. (Dies nur als sarkastische Randbemerkung). In welche Art Partnerschaft sollen die 95% Frauen und 5% Männer denn zurückkehren? In die, die sie – oft unter Schwierigkeiten und Gewalt – verlassen haben? Ist es Aufgabe des Staates, Menschen in Partnerschaften zu zwingen?

Ach ja, à propos Hans-Werner Sinn. Der gute Mann hatte ja bisher schon öfters ganz gute Forderungen und Ideen: zum Beispiel die Rentenzahlungen von Kinderlosen (die ja bekanntlich den Generationenvertrag boykottieren und von fremderleut Kinder im Alter profitieren) zu erhöhen, die Banken während der Wirtschaftskrise zu verstaatlichen, Managergehälter zu deckeln und den Finanzmarkt zu kontrollieren. Aber auch er hat seinen blinden Fleck. Bei ihm ist das das “anonyme System”, welches für ihn an der Misere heute verantwortlich ist. Er ist der Meinung, die Manager wären nur Sündenböcke als Ersatzverantwortliche. Eine weitere seiner verqueren Ideen:

Wenn die Arbeitnehmer bereit wären, ihre Arbeitskraft zum jeweiligen Marktpreis zu verkaufen, würden sie immer einen Arbeitsplatz finden. Allerdings müssten zwei Bedingungen erfüllt sein: 1. Flexibilität der Löhne nach unten und 2. keine Mindestlöhne. Leider werde die Anwendung des Sayschen Theorems von zwei Seiten verhindert: von den Gewerkschaften und vom Sozialstaat. Von den Gewerkschaften, weil ihre Mitglieder nicht von der segensreichen Wirkung des Gleichgewichtslohns überzeugt sind. Vom Sozialstaat, weil er über die Garantie eines arbeitslosen Existenzminimums eine Art Mindestlohn festsetzt. Auf dieser theoretischen Basis fußen die Überlegungen Hans−Werner Sinns.

via Weissgarnix

Dies nur, damit sich jede/r Leser/in hier eine Meinung über Herrn Sinn und die Qualität seiner o.g. Aussage machen kann.

Das läppert sich im Lebensverlauf. Für eine nie erwerbstätige Mutter mit einem Kind – eine nicht untypische Hartz-IV-Biographie – muss der Steuerzahler bis zu ihrem 50. Lebensjahr 445.000 Euro bezahlen, hat die Gießener Ökonomin Uta Meier-Gräwe errechnet.

Natürlich hat es einen Grund, dass Alleinerziehende ab 50 (deren Kinder dann hoffentlich bereits das Haus verlassen haben) grundsätzlich wohlhabend sind, denn sie konnten von den genannten 445.000 Euro bestimmt eine großzügige Alterssicherung schaffen oder haben die halbe Million überhaupt fürs Alter gespart. Wozu das Geld dem Vermieter in den Hals stecken, wozu die hungrigen Kindermäuler stopfen?

Wer Kinder unter drei Jahren hat, den zwingt Hartz IV ohnehin nicht zur Arbeit. Sie oder er muss sich in dieser Zeit auch nicht um zumutbare Jobs kümmern.

Nun, wie soll das auch gehen? Betreuungseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren sind mehr als rar – ganz zu schweigen vom “Rabenmutterstempel”, den arbeitende Alleinerziehende umgehend aufgedrückt bekommt. Wobei die Gesellschaft nicht mal bemerkt, wie bigott sie ist.

Ökonomen sehen die Sache nüchterner und sprechen von einer „perversen Anreizstruktur“. Zu Deutsch: Eine alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin wäre nicht nur dumm, sich offiziell wieder einen Partner zuzulegen.

Diese Aussage wird Klaus Schrader zugeschrieben (also EIN Ökonom, nicht ÖkonomEN!), seines Zeichens stellvertretender Leiter des Zentrums “Wirtschaftspolitik” beim Kieler Institut für Weltwirtschaft. Er ist Mitautor dieser Studie Anreizprobleme bei Hartz IV: Lieber ALG II statt Arbeit? in welcher er speziell auch auf die Gruppe der alleinerziehenden Hartz IV Empfänger eingeht. Dort wird – kurz auf einen Nenner gebracht – dargelegt, dass der Abstand zwischen erzielbarem Lohn und Hartz IV bei Alleinerziehenden so gering sei, dass sich das Arbeiten rein rechnerisch bei ihnen am wenigsten rentiere. Daher hätten sie den geringsten Anreiz wieder aktiv in Arbeit zu kommen.

Kein Wunder, dass die Gesellschaft immer mehr Geld für Alleinerziehende ausgibt, ohne dass sich dies positiv in der Arbeitslosenstatistik bemerkbar macht. Allein für Babyausstattung, Hilfen für Klassenfahrten oder für Kommunion respektive Konfirmation stieg der Aufwand zwischen 2005 und 2007 von 42 auf 62 Millionen Euro.

Ganz anders da der Focus:

Anachronistisch anmutende Öffnungszeiten
In Sachen Kinderbetreuung ist Deutschland nach wie vor ein Nachzügler. In einer schwäbischen oder hessischen Mittelstadt einen Ganztagskindergartenplatz zu finden kommt einem Sechser im Lotto gleich. Es gibt nur wenige städtische Kindertagesstätten. Viele von ihnen ermöglichen zudem wegen eingeschränkter und oft anachronistisch anmutender Öffnungszeiten kaum eine ganztägige Berufstätigkeit. Zweistündige Mittagsschließzeiten oder Freitags um 15 oder 16 Uhr zu schließen, mag der Arbeitszeit des öffentlichen Dienstes angepasst sein, doch mit der Realität vieler Frauen und Männer haben derlei Anachronismen nichts zu tun.

Krippenplätze Mangelware
Noch rarer sind Ganztagsplätze für die Allerkleinsten zu finden, auch dort ist der Osten aus alter Tradition viel besser ausgestattet als der Westen, am besten steht bei den Krippenplätzen Sachsen-Anhalt da (547 Plätze für Kinder unter drei Jahren), dicht gefolgt von Brandenburg (429), Mecklenburg-Vorpommern (375) und Schlußlicht ist wiederum Baden-Württemberg mit nur 13 Plätzen für 1000 Kleinkinder unter drei Jahren.

Ist das Absicht vom Staat? Die Arbeit für erziehende Eltern unmöglich machen und sich dann beschweren, dass so viele staatliche Sozialleistungen an Menschen mit Kindern fließen? Was für ein krankes System ist das?

„Der Sozialstaat gleicht immer mehr einem totalitären Regime, das die Familien zerschlägt“, sagt der Kieler Sozialphilosoph Wolfgang Kersting. Kersting ist kein Konservativer von gestern, der bestreitet, dass der soziale Wandel die Familienwelt individualisiert hat. „Aber warum muss der Staat dies auch noch mit finanziellen Anreizen unterstützen?“, fragt er: „Damit beschleunigt der Wohlfahrtsstaat die Zerstörung der Familien.“ Und lässt sich das auch noch von den Steuerzahlern teuer bezahlen.

Kersting, seines Zeichens “Sozialphilosoph”, kommt zu dem Schluss, dass dahinter Kalkül des Staates steht. Allerdingsl  liegt er ganz falsch mit seiner Ansicht, dass der Sozialstaat die Familien zerschlägt. Das schaffen die Menschen schon ganz allein. Allerdings bietet der Sozialstaat zum ersten Mal die Möglichkeit eine Partnerschaft aufzugeben, eine Familie zu verlassen ohne damit automatisch in die Mittellosigkeit, Obdachlosigkeit zu geraten.  Damit ermöglicht der Staat den Individuen auch in ihrem Privatleben eine Freiheit, die es noch vor 100 Jahren nicht gegeben hat. Und um nichts in der Welt möchte ich die Uhr wieder zurückdrehen.

Eine sehr schöne Antwort auf den FAZ-Artikel schreibt Weissgarnix. Satire vom Feinsten. Auszug gefällig? Bitte sehr:

Kein Scherz. Die Alleinerziehenden bringen uns alle um. Finanziell meine ich. Steht in der FAZ. Und Sie wissen ja: Kluger Kopf und so… Im Wirtschaftsteil der FAZ retten Rainer Hank und Georg Meck die Republik. Vor besagten Alleinerziehenden. Sie seien die “Hätschelkinder der Nation”. Eine gefährliche Mission. Eine erbitterte Schlacht. Todesmut ist da gefragt. Richtige Männer. Denn das Gegenüber besteht zu 95% aus Frauen. Und da verliert man schon mal leicht die Übersicht: “Frau und Technik, Frau und Organisation, Frau und Kommunikation”. Eben. Davon 40% auf Hartz IV. Wahnsinn. Wer soll das bezahlen? Und das alles nur, weil in den Sechzigern “das Scheidungsrecht entmoralisiert” wurde, wie Hank und Meck schreiben. Scheiß Weiber. Nur wegen der paar Prügel gleich dem Mann davon laufen? Und dann soll der Steuerzahler dafür auch noch einspringen? Geht ja gar nicht.

Informationen zu Sozialer Gerechtigkeit gibt´s hier: Friedrich Naumann Stiftung – Soziale Gerechtigkeit

Eine sehr gute Antwort auf Kersting findest du bei antiferengi.

Auf zeitgeistlos schreibt Markus Vollack (epikur) kritisch über den FAZ-Beitrag.

Hier gibt´s einen Text von Kersting zu Freiheit und Gesellschaft.

Ins gleiche Horn wie die FAZ stößt natürlich wie nicht anders zu erwarten das Magazin eigentümlich frei.

Und auf Isi´s Welt Blog wird gleich dem Deutschlandradio für seine Hetze (Beitrag von Paul-Hermann Gruner) der Garaus gemacht.

Geld – weniger ist mehr 0

Geschrieben am Januar 25, 2010 von Piratenweib

Wo ist das liebe Geld geblieben?

Auf der Suche nach Gründen für den Sozialabbau, die Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise.

via Frau Macht Zukunft » Geld – weniger ist mehr. Dieser Artikel (den ich hier auszugsweise zitiere) stammt von Frau Dr. Erika Riemer-Noltenius, die inzwischen leider verstorben ist. Ihre Gedanken sind so schlicht wie genial.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind wir alle davon überzeugt, daß Geld und Wirtschaft zusammengehören, daß unsere Geldordnung gerecht und vernünftig geregelt ist und sich auf sicheren, unabänderlichen Bahnen bewegt, so wie die Erde um die Sonne kreist.
In Wirklichkeit hat aber 98 Prozent des weltweit vorhandenen Geldvolumens nichts mehr mit der Wirtschaft zu tun. Nur 2 Prozent der Geldmenge reicht aus, um sämtliche Löhne und Rechnungen zu bezahlen, um alle lebensnotwendigen Güter zu produzieren, Investitionen zu tätigen und Dienstleistungen zu bezahlen. Die Masse der Geldmenge ist nichts weiter als reine Spekulation, die für das Wohlbefinden der Menschen so überflüssig ist wie ein Kropf.

In der Tat gibt es eigentlich “zuviel” Geld, oder sagen wir mal lieber, die vorhandene Geldmenge (die ja erstmal hergestellt wurde – Geld gibt´s nicht von Natur aus), wird vollkommen falsch eingesetzt.

Geld ist eine menschliche Erfindung oder Vereinbarung, die allein auf dem Glauben basiert, daß es einen Wert hat und dieser Wert von allen anerkannt wird.

Ein Geldschein ist nichts wert, eine Münze ebenso fast nichts – mal abgesehen vom reinen Papier- oder Metallwert – nur weil wir daran glauben, bzw. davon überzeugt sind, dass es mehr als das Material aus dem es besteht wert ist, können wir es als Zahlungsmittel einsetzen. Gibt es kein ausreichendes Vertrauen mehr in den Wert, bricht das Finanzsystem zusammen. Beispiele hat die Geschichte genug zu bieten.

Unsere heutige Geldordnung hat gravierende Konstruktionsfehler, die dafür verantwortlich sind, daß die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer, aber zahlreicher werden (…).

Zwei widersprechende Aufgaben soll das Geld erfüllen: erstens soll es die Wirtschaft vorantreiben, Güter bezahlen etc. Dazu ist der stete Geldumlauf unerlässlich. Zweitens soll es für Reichtum und Wohlstand sorgen. Dazu muss es aber festgehalten werden, und wird somit dem normalen Geldumlauf entzogen.

Dieses Verhalten führt zu Blockaden und Staus, die die Wirtschaft empfindlich stören und zum Erliegen bringen können. Dieses Phänomen der Geldhortung und seiner schädlichen Auswirkung auf die Wirtschaft wird in der Öffentlichkeit nicht erkannt und deshalb auch nicht diskutiert.

Schuldige für Wirtschaftskrisen werden immer viele genannt: die Arbeitnehmer, die Sozialschmarotzer, die USA, der Sozialismus, der Kommunismus, der Kapitalismus, die Arbeitgeber, die Politiker etc. Dabei ist es weder einer Person noch einer Personengruppe zuzuschreiben, wenn die Wirtschaft am Boden liegt. Es handelt sich um eine sogenannte systemimmanente Erscheinung unseres Finanzsystems, hauptsächlich verursacht durch den Zinseszinsmechanismus.

Er ist dafür verantwortlich, daß Wohlhabende immer reicher und Bedürftige immer ärmer werden, daß immer mehr Konzentrationen und Polarisierungen stattfinden, daß kleinere Firmen von größeren geschluckt oder in die Schuldenfalle getrieben werden.

Die meisten Menschen glauben, daß sie nur dann Zinsen bezahlen, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Sie wissen nicht, daß in jedem Preis ein Zinsanteil von 30 bis zu 85 Prozent enthalten ist. Nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung profitiert vom Zinssystem, während 90 Prozent diesen 10 Prozent zu immer höherem Reichtum verhelfen.

Da die Menschen nicht wissen, dass sie mit jeder Zahlung, mit jedem Einkauf, mit ihrer Miete und ihren Steuern stets einen großen Anteil am Zinseszinssystem bezahlen, können sie auch nicht dagegen angehen. So findet einer immer währende Umverteilung von Unten nach Oben, von Arm nach Reich statt. Nur wer von Zinsen profitiert (sog. “arbeitetendes Kapital” hat) kann Geld anhäufen, wer Zinsen bezahlt, verliert.
Eines der größten Probleme dabei ist, dass der Staat die Verantwortung für das Finanzsystem gänzlich an Banken übertragen hat und selbst zum Schuldner, d.h. Zinseszinszahler geworden ist. So wandert das Vermögen des Volkes über die Zinsen der Staatsschulden in die Taschen der Kapitalbesitzer.

Die Schulden der öffentlichen Hand sind so groß, daß jeder 4. Euro aus dem Steueraufkommen für den Schuldendienst (Zinszahlungen) verwendet werden muß.
Seit mehr als 10 Jahren entspricht die Höhe der jährlichen Neuverschuldung in Deutschland  in etwa der Höhe der Zinszahlungen, d.h. der Schuldendienst wird mit neuen Schulden bezahlt. Mit der jährlichen Neuverschuldung wird also kein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen, keine Investition getätigt, sonder nur die Schuldenspirale immer weiter in die Höhe geschraubt.

Nun brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn kein Geld für Sozialleistungen, Förderung von Arbeit oder Bildung vorhanden ist. Es wird für Schuldentilgung, bzw. nicht einmal dass, sondern für die Zahlung allein der Zinsen verwendet. Die Schulden werden dabei nicht getilgt und sind und bleiben unendlich. Eine unendliche  Geldmaschine für die Kapitalbesitzer und Kreditgeber.

Aus dem Dilemma der Schuldenfalle und der Arbeitslosigkeit, in der sich alle Staaten der Welt befinden, gibt es nach Ansicht der verantwortlichen Politiker nur einen Ausweg: Mehr Wirtschaftswachstum.
Dabei gibt es bei uns aber gar keinen Mangel an Gütern oder Dienstleistungen.

Werden wir mehr Autos kaufen, wenn mehr gebaut werden? Mehr Waschmaschinen? Mehr Fernseher? Essen wir mehr, wenn die Bauern mehr anbauen? Wir haben keinerlei Mangel, im Gegenteil, der Spruch von der Überflussgesellschaft ist längst Realität geworden. Aber immer noch gilt Wirtschaft als die Methode zur Abschaffung von Mangel. Die Produktivität der Wirtschaft ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten immens gestiegen. Gäbe es keinen Export – wir hätten Halden von Wirtschaftsgütern, wie einst den Butterberg und den Milchsee.
Wirtschaftswachstum kann also nicht die Lösung für unsere Wirtschafts- und Sozialprobleme sein. Wie sieht es denn auf der Seite der abhängig beschäftigten aus, derjenigen, die all das Produzierte konsumieren bzw. kaufen sollen?

In den vergangenen 10 Jahren (von 1991 bis 2001) ist das Bruttoinlandsprodukt um 37 % gestiegen, die Nettolöhne und –gehälter aber nur um 23 %, die Einkommen aus Unternehmen um 31 %, die Steuereinnamen des Staates um 42 %, die Bankzinserträge aber um 89 % und die Geldvermögen um 99 %.

Unser Zinseszinssystem sorgt für eine exorbitante Geldvermehrung der nichts mehr als Vergleichswert gegenüber stehen kann.

Die Annahme, daß die Arbeitslosigkeit durch mehr Wirtschaftswachstum verringert werden könnte, hat sich längst als Illusion erwiesen, denn seit vielen Jahren werden mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert als neue geschaffen, bei trotzdem steigender Produktivität der Wirtschaft. Deshalb ist es völlig verfehlt, eine Verlängerung der Arbeitszeit einzuführen und die Langzeitarbeitslosen einer Art Zwangsarbeit zu unterwerfen.

Passt das nicht exakt zur Debatte um Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch, der Zwangsarbeit für Arbeitslose einführen möchte? Was soll denn das bringen? Staatlich finanzierte Unternehmensförderung, da die Arbeitgeber solcher Menschen kein Gehalt mehr zahlen müssen (womöglich noch in akzeptabler Höhe), da dies ja schon der Staat übernimmt und damit die Allgemeinheit. So arbeitet ein “Arbeitsloser” (welch Widerspruch in sich) für ein Wirtschaftsunternehmen und bekommt dafür vom Staat (aus dem Steuertopf) einen Hungerlohn. Was für ein menschenverachtendes System!

Schon vor über 25 Jahren erklärte der große Mann der katholischen Soziallehre, Oswald von Nell-Bräuning, daß zwei Stunden Arbeit pro Tag aller arbeitsfähigen Menschen völlig ausreichen würden, um die lebensnotwendigen Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen.

Wäre das nicht schön? Jede/r arbeitete lediglich 10 Stunden pro Woche, es gäbe keine Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger mehr, Kindertagesstätten bräuchten nicht ausgebaut zu werden, weil auch jede Mutter – jeder Vater es schaffen könnten, 2 Stunden täglich zu arbeiten. Wir wären alle gesünder, könnten unsere Freizeit sinnvoll nach Geschmack nutzen und vielleicht sogar wieder zum Volk der Dichter und Denker werden. Denn das Denken vergeht so manchem angesichts der Unsinnigkeiten unseres Systems.

Wurde der technische Fortschritt nicht immer damit begründet, den Menschen vom Joch der (Erwerbs) Arbeit zu befreien? Jetzt, wo dieser Zustand weitgehend erreicht ist, jammern alle den verloren gegangenen Arbeitsplätzen nach.
Wenn wir ehrlich sind geht es gar nicht um die Schaffung neuer (überflüssiger) Arbeitsplätze, sondern um eine Einkommenssicherung für alle Menschen. Deshalb muß neu definiert werden, wodurch Einkommen begründet wird. Erwerbsarbeit kann es allein nicht mehr sein, denn sie wird mehr und mehr zum Privileg einer Minderheit.

Menschen wollen auch keinen Arbeitsplatz, sondern ein Auskommen. Sie benötigen die Möglichkeit, ihr Leben und das ihrer Familie zu sichern, für Nahrung, Wohnung, Kleidung zu sorgen, ohne permanente Angst, dass dies einmal verloren gehen könnte. Auf Arbeit könnten wohl die meisten leicht verzichten. Arbeit ist ebenso wie Geld kein Wert an sich. Wieso sollte bezahlte Arbeit besser sein als z.B. freies Denken?
Sätze wie sie von Politikern á la Müntefering geäußert werden “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” sind anachronistisch und menschenverachtend. Denn ein Mensch gewinnt seinen menschlichen Wert nicht durch seine Arbeit, sondern durch seine pure Existenz. Er ist Mensch und damit wertvoll, einfach weil es ihn gibt. Mal ganz davon abgesehen, dass es fast nicht mehr möglich ist, mit normaler Erwerbsarbeit ein angenehmes Leben zu finanzieren. Kein Wunder, da jeder Arbeitnehmer mit einem gut Teil seines Verdienstes die Zinsen für die Wohlhabenden ableisten muss. So tragen auch Beschäftigte zur unheimlichen Geldvermehrung der Reichen bei ohne es zu wissen.
Und was ist denn letztlich “Arbeit”? Ist Arbeit nur der Teil der menschlichen Leistungen, der von einem anderen bezahlt wird?

Mit „ehrlicher“ Arbeit hat das nichts zu tun. Weder sind die Millionengehälter der Manager oder Fußballer gerechtfertigt, noch die Arbeit zum Nulltarif vieler Frauen im Erziehungs,- Pflege- und Familienbereich. Es ist ein Mythos zu glauben, Leistung rechtfertige eine bestimmte Einkommenshöhe, denn keine Arbeit ist für die Menschheit so wichtig und gleichzeitig so unterbewertet wie die Betreuung von Kindern und Kranken.
Der Satz: „Leistung muß sich lohnen“ ist eine Verhöhnung der Leistung von Frauen.

Die Arbeit “am Menschen”, die Familienarbeit, Pflege, Erziehung sind die wichtigsten Grundpfeiler unserer Gesellschaft und gleichzeitig die am wenigsten angesehenen Tätigkeiten (wenn sich Ansehen denn – wie bei uns durchaus üblich – in Geldwert ausdrückt). Arbeitet ein Profifußballer denn mehr als eine Mutter mit 3 Kindern oder ein Mann, der seinen bettlägerigen Vater pflegt? Und ist der Sport wichtiger als die soziale Arbeit? Falls nicht – warum wird nicht mit Geldmitteln der wahre Wert einer Tätigkeit ausgedrückt?

Im Grunde genommen gibt es überhaupt keine Arbeitslosigkeit, denn wo immer Menschen hilfsbedürftig sind, da gibt es Arbeit. Jede Gesellschaft besteht aus Menschen, die arbeitsfähig sind und solchen, die es nicht sind. Alle Menschen brauchen ein Einkommen, um leben zu können.

Wir brauchen eine Neudefinition des Begriffes “Arbeit”. Und wir brauchen eine Neuverteilung von “Einkommen”. Dies ist machbar über den Weg eines Grundeinkommens, das jeder Mensch ohne Ansehen von Person und Status bekommt und das ihm sein Leben sichert. Das Geld ist nicht da? Oh doch, denn Geld ist nur eine künstliche Konstruktion, etwas das von Menschen geschaffen wurde und somit von Menschen verändert werden kann.

Die jetzige Geldordnung müßte grundlegend geändert werden dahingehend, daß die Finanzhoheit wieder dem Staat übertragen wird, der Zins und Zinseszinsmechanismus abgeschafft und durch eine Nutzungsgebühr ersetzt wird. Statt daß die Geldbesitzer immer noch mehr Geld (Zinsen) bekommen, wenn sie es nicht ausgeben, sondern zur Bank bringen, muß umgekehrt in Zukunft ein Negativzins erhoben, wenn Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird.

Banken und Finanzdienstleister ebenso wie Reiche würden sich natürlich bis zum Letzten gegen eine solche Änderung wehren, weshalb so etwas nur per Gesetz durchgesetzt werden kann. Auf Goodwill braucht man dabei nicht zu hoffen. Aber die Idee ist einfach und genial: wer Geld dem Kreislauf entzieht, wird nicht mit reichen Zinsen belohnt, sondern muss eine Gebühr, ein Negativzins bezahlen. Wer Geld stets in Umlauf hält, wird damit belohnt, dass er stets den vollen Wert des Geldes ausnutzen kann.
Natürlich ist ein solches System auch noch durch Veränderungen im Immobilienbesitz zu ergänzen. Denn auch hierdurch ergeben sich ja erhebliche Zinszahlung z.B. für Mieter.
Zu diesem Thema empfehle ich das Büchlein Der Ritt durch den Canyon von Max Leuchtenberg, 1964.

Und hier gibt es eine Menge interessantes Material zu unserem Geldsystem. Hier auch.

Managergehälter 0

Geschrieben am Oktober 05, 2009 von Piratenweib

Gehaltsreport: Lohnkürzungen auf breiter Front – manager-magazin.de.

Die armen Manager, jetzt gibt es auch noch Gehaltskürzungen der ohnehin schon so mageren Bezüge. Der durchschnittsverdienst der leitenden Angestellten beträgt ja nur schwache 82.000 Euro. Davon kann doch kein Mensch leben. Und sogar auf der oberen Ebene liegen die Gehälter nur zwischen 135.000 und 168.000 Euro (bei 50jährigen Männern). Oh Gott, oh Gott. Und dann noch Kürzungen. Manager, beantragt lieber gleich Hartz IV, bevor ihr verhungert!

Das Wunder von Wörgl — Der Freitag 0

Geschrieben am Oktober 03, 2009 von Piratenweib

Das Wunder von Wörgl — Der Freitag.

Da mich das gerade so fasziniert: noch einmal ein Link dazu. Sehr spannende Sache, das.

Kein Wunder in Wörgl – PROVOkant 0

Geschrieben am Oktober 03, 2009 von Piratenweib

Kein Wunder in Wörgl – PROVOkant.

Schon 1932 wurde ein “Zaubermittel” gegen die Wirtschaftskrise gefunden – im kleinen österreichischen Örtchen Wörgl in Tirol.

Allerdings gefiel die Lösung des damaligen Bürgermeisters Unterguggenberger weder der Nationalbank noch der politischen Führung des Landes – lieber ließen sie den Zusammenbruch und den Krieg zu, als die Wirtschaft und die Menschen von der Allmacht des Geldes zu befreien.

Arbeitslosigkeit und Armut kamen nach dem Ende des Ex­pe­riments sehr bald auch nach Wörgl zurück. Und auch kein an­derer in Österreich und anderswo durfte den von dieser kleinen Stadt gewagten Ausweg aus der Krise gehen. Wohin Eu­ropa in der Folge notwendigerweise getrieben wurde, dazu bedarf es wohl keines Hinweises. Die Jahreszahlen 1933 und 1945 sagen alles darüber aus.

Da bleibt wohl nichts mehr zu sagen.



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