Wird das “generische” Maskulinum wirklich generisch verstanden?.
Noch ein paar Links zu diesem Thema:
- Linguistik Online Das generische Maskulinum im Deutschen. Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne.
- Uni Heidelberg FB Psychologie Richtlinien und Beispiele für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch.
Hübsche Beispiele für den kuriosen Gebrauch des genMask:
“Kein gesunder Mensch kann 3 oder 6 Wochen ohne Frau auskommen.” (Trainer Rehhagel 1984)
“Verlierer der Einheit sind vor allem Arbeitslose, ABM-Kräfte und Frauen. (Frankfurter Rundschau 1994)
“Kfz-Mechaniker wird Schauspielerin.” (Neue Westphälische 1983)
“Die Menstruation ist bei jedem ein bisschen anders.” OB Faltblatt 1984) - Weil Sprache Bewusstsein scchafft! Das Frauenreferat der österreichischen Hochschüler/innenschaft schreibt folgendes:
Gängige Argumentationen gegen geschlechtergerechte Sprache beziehen sich häufig auf verfälschte Grundlagen, die sich in den Köpfen der Studierenden aber festgeschrieben haben. Eines der scheinbar aussagekräftigsten Argumente für den Beibehalt maskuliner Sprachmuster lautet: „Das generische Maskulin kennt eine lange Tradition und ist im Sprachverständnis der deutschsprechenden Menschen tief verankert.“ Historisch betrachtet ist diese Argumentation kurz gesagt falsch. Die Verwendung des generischen Maskulin in der deutschen Sprache blickt auf eine junge Geschichte zurück. Erst im 20. Jahrhundert fand die (ausschließlich) männlich bezeichnende Sprache Einzug in die Germanistik. Als adäquate Form der Verständigung wird das generische Maskulin seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Grammatik dargestellt.
Hätten wir das auch gleich mal klargestellt. Das genMask ist eine relativ neue Sprachform in der deutschen Sprache. Nix mit langer Tradition und so.
- Kein Sexismus an Hochschulen In einer Studie von 2001 (Stahlberg, Sczesny) wird der Beweis angetreten, dass beim generischen Maskulinum, Frauen meist eben nicht mitgedacht werden.
Die Studie befindet sich hier: Studie (pdf)
Änderungen in der gemeingültigen Schreibkonvention fallen schon seit langem ins Auge. Das gegenwärtig häufig praktizierte Splitting Schüler/innen, die bekannte Binnengroßschreibung StudentInnen oder die explizite Nennung beider Formen Schriftsteller und Schriftstellerinnen begegnen uns tagtäglich.
Leider werden schon diese wenigen Reformversuche durch die Übermacht einer durch und durch patriarchal geprägten Sprache, Kultur und Geschichte oft nur zu leicht abgeschmettert. Ein offenkundiges Anzeichen dafür geben die zu oft beobachtenden Strategien des Widerstands gegen nicht-sexistischen Sprachgebrauch. Geleugnet wird allzu häufig direkte Abhängigkeit von Sprache und patriarchalischer Kultur überhaupt. Die frauenfeindliche Verwendung des generischen Maskulinums bleibt meist unerkannt. Außerdem wird die gesamte Problematik in weiten Kreisen eher als trivial abgetan und das Argument, dass sich Minderwertigkeitsgefühl und psychische Beeinträchtigungen bei jungen Frauen auf sprachliche Diskriminierung zurückführen lassen schlicht als Unsinn erledigt. Die generelle Ignorierung oder gar Lächerlichmachung des Problems bietet aber nun mal keine Lösungsansätze. Und durch Ignorieren verschwindet ein Problem nicht. Nicht mal, wenn man ganz fest daran glaubt
Ergänzung 13.3.2010
Die Deutsch-Expertin schreibt zum Frauentag einen Artikel über die Unsichtbarkeit von Frauen in der Sprache.
Beim Webservice der Stadt Wien finden wir eine sehr detaillierte Hilfestellung zur Verwendung von gerechter Sprache: Eine Sprache für Frauen und Männer. Unbedingt lesen!











da sind Word-stylesheets in der seite… (wohl weil wordpress die — der kommentare zu längeren binderstrichen macht)
Danke für den Hinweis. Bin gerade im Backend am Basteln … dummes WP
Genau das!
Und so isses überzeugend formuliert! Ich danke!
Ein paar Texte zum “Untermauern” können nicht schaden … natürlich gibt´s noch viel mehr. Aber das ausschlaggebende Argument ist doch, dass selbst die grammatisch korrekte Anwendung des genMask eben keineswegs bei allen Leser/innen die generelle Implikation “Frauen und Männer” auslöst.
Noch viel wichtiger finde ich, deutlich herauszustellen, dass nicht alles, was von Piraten für das genMask gehalten wird, auch wirklich ein solches ist (oder einen anderen Sinn hat, als die eigene Männlichkeit zu betonen). Gegen soviel Widerstand in der Partei muß man nämlich einen Schritt vor dem nächsten machen.
1. “Pirat/Piraten”, so wie es in der Satzung verwendet wird, ist kein gen Mask, sondern nur männlich-> Satzung ändern!
2. Selbst wenn “Piraten” als genMask verwendet wird, schließt das noch lange nicht die Frauen mit ein, wäre geschlechstneutral oder politisch unbedenklich ->Diskussionskultur zivilisieren!
3. Androzentrismus in der Partei in den Griff kriegen
-> Sexisten rausschmeißen!
RT @Piratenweib: Frisch gebloggt: Was ist das generische Maskulinum? – http://www.piratenweib.de/?p=1054
Das Argument, dass das generische Maskulinum “sehr jung” sei, überzeugt mich nicht, weil keinerlei Belege für diese Behauptung gebracht werden (z.B. historische Texte ohne das genMask.).
Andererseits erinnere ich mich an historische Texte, die sehrwohl das gen.Mask. gebrauchen.
Eine email-Adresse …@nurfuerspam.de überzeugt mich auch nicht gerade …
Ich gehe also davon aus, dass du hier nur Spammen willst.
Stell dir mal einen Moment vor, eine Piratin wäre auf die abgefahrene Idee gekommen, den Männern (!) in der Partei ihr Geschlecht abzusprechen: Piraten-Mann, du bist ab heute geschlechtsneutral…Was da los gewesen wäre, ich kann nur unken.
Aber in der Hoffnung, sich nicht mit so langweiligen Frauentemen wie …*äh…Grammatik auseinanderzusetzen zu müssen, scheint wohl keine Rechtfertigung zu peinlich genug, um sie nicht doch noch vorzutragen.
Meine These zum Antifeminismus lautet:
Antifeminismus ist die legitime Angst dummer Männer vor den Konsequenzen der eigenen Blödheit.
Guggstu z.B. hier: http://www.linguistik-online.com/11_02/doleschal.html
Mich überzeugt auch nicht, dass der männliche Pirat via Satzung einer Partei plötzlich “geschlechtsneutral” sein soll und das ganz unabhängig davon, wie alt das genMask nun ist.
eine kleine korrektur: der dritte link (“weil sprache bewusstsein schafft!”) verweist zum frauenreferat der österreichischen hochschülerInnenschaft.
insofern ist die betitelung mit “frauenreferat der hochschule linz” nicht korrekt.
/nitpicking
Danke, das habe ich gleich mal korrigiert.